Feministische Kämpfe zwischen „Pulverfass“ und Agency: Zur Sichtbarmachung balkanisch-feministischer Praxis
Über den Balkan existiert in westeuropäischen Kontexten häufig nur ein stark verkürztes Wissen. Häufig wird die Region auf eine vermeintlich „ewige gegenseitige Gewalt“ reduziert, während ihre politische, kulturelle und historische Heterogenität ausgeblendet bleibt.
Diese Wahrnehmungen lassen sich mit dem Konzept des Balkanismus (Todorova) beschreiben, dass den Balkan als „inneres Anderes“ Europas konstruiert und ihn als defizitären, noch nicht „vollständig europäischen“ Raum markiert. Solche Zuschreibungen gehen nicht selten mit der Entpolitisierung von Gewalt, dem Ausblenden historischer Verantwortung und einer Ignoranz gegenüber bestehenden Machtverhältnissen einher. So werden auch feministische Kämpfe auf dem Balkan durch diese Perspektive marginalisiert und finden in dominanten Diskursen wenig Beachtung.
Das Tutorium „Feministische Kämpfe zwischen „Pulverfass“ und Agency: Zur Sichtbarmachung balkanisch-feministischer Praxis“ soll genau hier ansetzen. Das Tutorium bietet den Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Zuschreibung, indem verschiedene feministische Bewegungen auf dem Balkan in den Fokus gerückt werden. Anhand verschiedener Länder (u. a. Bosnien und Herzegowina, Serbien, Albanien, Kosovo sowie optional Kroatien/ Nordmazedonien/ Montenegro) werden konkrete feministische Praxen betrachtet, die sich unter sehr unterschiedlichen politischen, sozialen und historischen Bedingungen entwickelt haben.
Zentral soll dabei die Frage sein, was aus diesen oft grassroot feministischen Bewegungen gelernt werden kann: Welche Formen feministischer Praxis entstehen in Kontexten von Krieg, Genozid, Postkonfliktgesellschaften, autoritären und nationalistischen Tendenzen oder EU-Integrationsprozessen? Wie positionieren sich feministische Akteur:innen gegenüber Militarisierung, ethnischem Nationalismus und staatlicher Vereinnahmung? Und wie lässt sich feministische Praxis als übergreifend solidarische Praxis auf dem Balkan verstehen?
Ziel ist es, Feminismen auf dem Balkan als eigenständige politische Praxis sichtbar zu machen und zugleich die eigenen Blickpositionen sowie eurozentrische Vorstellungen von „Emanzipation“. Das Tutorium versteht jene Bewegungen dementsprechend als eigenständige politische Praxen, die wichtige Impulse für kritische, transnationale und solidarische feministische Kämpfe liefern können.
Tutor:in: Erjona Kopalla
Zeit: Mo 20.04.2026 - 10.08.2026 16-18 Uhr
Ort: IG 1.411