Absterben oder Aufhebung des Rechts? Eugen Paschukanis und die Kritik des modernen Rechts
Stellt euch vor, der Kapitalismus wäre morgen vorbei — was würde dann aus dem Recht?
Die kritische Theorie kennt zwei Antworten, und beide berufen sich auf Marx. Die eine: Das Recht ist ein bloß epiphänomenales Herrschaftsinstrument und würde absterben, sobald die Bedingungen der kapitalistischen Gesellschaft entfielen. Die andere: In der Rechtsform steckt ein emanzipatorisches Versprechen, das nicht verschwindet, sondern aufgehoben wird.
An dieser Frage kommt ein Name nicht vorbei: Eugen Paschukanis. Seine These irritiert bis heute — die Rechtsform sei strukturell homolog zur Warenform: Das Rechtssubjekt ist der Warenbesitzer, der Vertrag ist der Tausch. 1937 wurde Paschukanis unter Stalin als „Volksfeind“ erschossen — der Theoretiker vom Absterben des Rechts, liquidiert von einem Staat, der ebendies zu vollziehen behauptete.
Wir lesen Paschukanis’ Hauptwerk, klären seine zentralen Thesen und Argumente und stellen sie den Positionen u. a. von Karl Korsch, Christoph Menke, Ernst Bloch und Franz Neumann gegenüber; Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Idealerweise entscheiden wir gemeinsam, was wir lesen — bringt eure Vorschläge mit.
Tutor:innen: Eduardo A. Chia, Keno Gralka
Erstes Treffen: Donnerstag, 16:00 Uhr c.t., IG-Farben-Haus, Raum auf Anfrage
Kontakt: eduardo.chia [at] gmail.com (eduardo[dot]chia[at]gmail[dot]com), johann.keno [at] gmx.de (johann[dot]keno[at]gmx[dot]de)