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Transparent: Kritisches Denken braucht Zeit und Raum

AStA und Offenes Haus der Kulturen laden zum Spatenstich für das neue Studierendenhaus

20.10.2026

Der AStA der Goethe-Universität und das Offene Haus der Kulturen laden am 22. Oktober ab 14 Uhr zum Spatenstich für das neue Studierendenhaus auf dem Campus Westend ein. Mit der Aktion setzen sie ein Zeichen für die Notwendigkeit eines demokratischen, selbstorganisierten Raums für die Studierendenschaft. Zugleich machen sie auf die seit 25 Jahren andauernde Untätigkeit der Universität und des Landes Hessen aufmerksam.

Im Anschluss an den Spatenstich soll mit dem Ausheben der Baugrube begonnen werden – ein Bagger dafür ist eigens organisiert. Darüber hinaus stehen eine Diskussion über die Bedeutung selbstorganisierter Räume, ein Rückblick auf die lange Geschichte des Nicht-Baus sowie aktuelle Informationen zum Planungsstand auf dem Programm. Begleitet wird die Veranstaltung von einem feierlichen Rahmen mit Essen, Getränken und Musik.

Der Nicht-Bau des Studierendenhauses hat eine lange Geschichte: Nachdem Anfang der 2000er-Jahre der Bau eines neuen Studierendenhauses beschlossen worden war, wurde 2013 ein Architekturwettbewerb ausgelobt. 2014 erhielt das Gießener Büro hjp-architekten den ersten Preis. Der Baubeginn war für Anfang 2017 vorgesehen. Seither wurde der Siegerentwurf mehrfach überarbeitet, Ausschreibungen wurden veröffentlicht und wieder zurückgezogen. Der erste Spatenstich wurde Jahr für Jahr angekündigt – und immer wieder abgesagt.

„Von Beginn an in der hintersten Ecke des ‚schönsten Campus Europas‘ geplant, fehlt bis heute ein Ort, an dem Studierende Demokratie selbstorganisiert leben und erfahren können. Ein Vierteljahrhundert nach Beginn des Umzugs auf den IG-Farben-Campus im Westend ist das ein unhaltbarer Zustand“, erklärt Safin Rahi vom AStA-Vorstandskollektiv.

Aus Sicht des AStA und des Offenen Hauses der Kulturen bricht die Universität damit mit ihrer eigenen demokratischen und kritischen Tradition. Bereits wenige Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur wurde ein Studentenhaus errichtet, das dem „Geist der realen und tätigen Demokratie“ dienen sollte. Eröffnet am zehnten Jahrestag der Hinrichtung der studentischen Widerstandsgruppe Weiße Rose durch Rektor Max Horkheimer und Bundespräsident Theodor Heuss, sollte es ein lebendiges Bollwerk gegen den Faschismus sein: ein Ort, an dem junge Menschen Demokratie lernen und vor allem selbst praktizieren können. Als erster Neubau der im Krieg schwer zerstörten Universität nahm es über viele Jahrzehnte einen zentralen Platz auf dem Campus ein.

„Wenn wir heute auf die Frankfurter Universität blicken, scheint man die damaligen Lektionen leider vergessen zu haben“, erklärt Tim Schuster vom Offenen Haus der Kulturen. „Man beschwört die Bedeutung von Demokratie, versäumt es aber, die materiellen Voraussetzungen dafür bereitzustellen. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern angesichts des auch in Deutschland wieder erstarkenden Faschismus im höchsten Maße fahrlässig und brandgefährlich.“

Der Bau des neuen Studierendenhauses ist aus Sicht der Veranstalter dringlicher denn je. Deshalb wollen sie die Sache nun selbst in die Hand nehmen und rufen die Studierendenschaft sowie das Präsidium der Goethe-Universität dazu auf, gemeinsam den Spatenstich für das neue Studierendenhaus zu vollziehen. Alle Studierenden und Interessierten sind herzlich eingeladen.

Ort: Uni-Campus Westend, Baugrundstück Siolistraße / Rostocker Straße

Programm

14:00 Uhr: Ansprache und Spatenstich
14.30 Uhr: DJ, Essen und Trinken 
16:00 Uhr: Zeitzeug*innengespräche zum Neuen Studierendenhaus

Im Anschluss Barabend