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Transparent: Kritisches Denken braucht Zeit und Raum

Stellungnahme: Sechs Jahre nach Hanau - Erinnern heißt handeln auch an der Hochschule

20.02.2026

Am 19. Februar 2020 wurden in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven ermordet. Sechs Jahre später gedenken wir als AStA der Goethe-Universität Frankfurt der Opfer und sind solidarisch mit den Angehörigen und Überlebenden. Dieses Gedenken ist kein Ritual, sondern eine politische Verpflichtung. Rassismus und rechter Terror sind keine „Randphänomene“, sondern Teil gesellschaftlicher Verhältnisse, die auch Hochschulen prägen.

Gerade die Universität Frankfurt – an der Franco A. weiter studieren durfte [1]] – muss Erinnerung mit konkreter Verantwortung verbinden. Studierende erleben Ausgrenzung im Alltag, in Lehrsituationen, auf dem Wohnungsmarkt oder in Behörden – und nicht selten auch institutionell an der Hochschule. Wenn Angst, Unsicherheit und Diskriminierung den Studienalltag bestimmen, ist das eine hochschulpolitische Frage: Wer kann überhaupt frei studieren, wer fühlt sich geschützt, und wessen Erfahrungen werden ernst genommen?

„Das Gedenken an Hanau ist für uns untrennbar mit der Frage verbunden, wie sicher und gleichberechtigt Studierende an dieser Universität tatsächlich leben und lernen können. Eine Hochschule, die sich weltoffen nennt, muss Rassismus konsequent benennen und bekämpfen – in Strukturen, in der Lehre und im Alltag“, sagt Bleta Berisha aus dem AStA Vorstandkollektivs .

„Erinnern heißt, Konsequenzen zu ziehen. Wir erwarten von der Universitätsleitung, dass sie Betroffene nicht alleinlässt, Antidiskriminierungsstrukturen ausbaut und klare, niedrigschwellige Beschwerde- und Unterstützungswege schafft. Solidarität darf nicht bei Symbolpolitik stehen bleiben“, sagt Safin Rahi, Teil des AStA Vorstandkollektivs.

Der AStA fordert, dass die Goethe-Universität das Gedenken an Hanau dauerhaft hochschulöffentlich verankert und mit konkreten Maßnahmen verbindet: verbindliche Antidiskriminierungsarbeit, ausreichend finanzierte Beratungs- und Unterstützungsangebote, wirksame Präventions- und Sensibilisierungsformate für Beschäftigte und Lehrende sowie konsequente Aufarbeitung dort, wo Studierende Diskriminierung erfahren.

Wir gedenken der Ermordeten. Wir stehen an der Seite der Hinterbliebenen und Überlebenden. Und wir sagen klar: Hanau war kein Einzelfall. Antirassismus ist eine Aufgabe – auch an der Hochschule

[1] Am 15. Juli 2022 verurteilte das OLG Frankfurt Franco A. wegen der Planung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, unerlaubtem Besitz von Waffen und Kriegswaffen, Munition und Explosionsmitteln sowie Betrugs zu fünfeinhalb Jahren Haft. Während des Verfahrens war er Jura Student der Goethe-Universität.