Stellungnahme zum Pilotprojekt des Studierendenwerkes
Wir sind froh, dass das Studierendenwerk sich bereit erklärt hat mit uns gemeinsam eine Lösung dafür zu finden, wie wir Studierende, die die Mensa besuchen, entlasten können. In einem Pilotprojekt zu gucken, wie Studierende auf ein simples Nudelangebot reagieren, dass 1,80€ kostet und wie gut es angenommen wird, ist ein guter Schritt in die richtige Richtung. Es wird weitere Zusammenarbeit mit dem Studierendenwerk geben, um gemeinsam eine langfristige Lösung dafür zu finden, wie wir das Angebot in die Mensapläne dauerhaft integrieren können. Wichtig ist das dadurch aber kein veganes Tagesgericht wegfällt, sondern die 1,80€ entweder ein Fleischgericht ersetzen oder ein Zusatzangebot sind außerhalb des bisherigen Mensaplans“, Jana Paul, studentische Vertreterin im Verwaltungsrat (Juso-Hochschulgruppe)
Zur Einordnung: Was wirklich passiert ist
Die Spaghetti Napoli für 1,80 € sind keine freiwillige, nette Geste des Studierendenwerks als Reaktion auf gestiegene Preise. Sie sind das Ergebnis einer Forderung, die wir als Studierendenvertretung über den Verwaltungsrat eingebracht und durchgesetzt haben. Unsere Forderung lautete: ein günstiges veganes Gericht für rund zwei Euro – jeden Tag, an allen Standorten. Spaghetti mit Tomatensoße fielen in dem Gespräch lediglich als ein Beispiel dafür, dass ein solches Gericht günstig und vegan zugleich machbar ist.
Aus dieser Forderung hat die zuständige Leitung der Versorgungsbetriebe etwas gemacht, das wir so nie verlangt haben: vier Wochen lang ausschließlich ein einziges Gericht, Spaghetti Napoli, als „Pilotversuch“, um zu testen, ob das angenommen wird. Niemand von uns hat gefordert, das Angebot auf ein einziges Gericht zu verengen. Wir baten um Vielfalt nach unten beim Preis – nicht um Eintönigkeit auf dem Teller.
Wichtig auch zur Begriffsschärfe: In Bockenheim etwa ist Spaghetti Napoli für diesen Zeitraum nicht nur das einzige vegane, sondern faktisch das einzige Hauptgericht überhaupt – bei ohnehin meist nur zwei Hauptgerichten wird das Angebot also zusätzlich verengt.
(1) Was wir zur Ankündigung sagen
Von einer „Ankündigung“ zu sprechen, ist bereits geschönt: Kommuniziert wurde der Versuch gegenüber der Studierendenschaft praktisch nicht. Mitbekommen haben wir ihn über den Speiseplan und über Flurfunk – nicht über eine transparente Information. Und inhaltlich bildet die Verkürzung auf „nur Spaghetti Napoli" weder unsere Forderung noch eine vernünftige Umsetzung ab.
(2) Ob die Entscheidung gerechtfertigt ist
Teilweise. Dass ein günstiges, veganes Gericht für 1,80 € angeboten und seine Annahme getestet wird, ist genau das, was wir wollten, und ausdrücklich zu begrüßen. Nicht gerechtfertigt ist hingegen, das Ganze auf ein einziges Gericht über vier Wochen zu reduzieren und es als studentischen Wunsch erscheinen zu lassen. Ebenso wenig überzeugt das Hauptargument der Versorgungsbetriebe, es gebe ohnehin genug vegane Gerichte: Die uns vorgelegte Statistik führte „vegetarisch“ und „vegan“ in einer gemeinsamen Kategorie und nur als globale Gesamtzahl – nicht nach Tag und nicht nach Standort aufgeschlüsselt. Damit lässt sich gerade nicht belegen, dass täglich an jedem Standort ein veganes Gericht zur Verfügung steht. Zwei Beilagen sind kein veganes Mittagessen.
(3) Was wir uns wünschen
Erstens: dauerhaft ein bezahlbares veganes Gericht – Richtwert zwei Euro – jeden Tag und an allen Standorten, nicht einen einmaligen Vier-Wochen-Versuch. Zweitens: dass das 1,80-€-Angebot nach Ablauf des Tests nicht stillschweigend wieder gestrichen, sondern beibehalten und ausgebaut wird – aus sozialer wie aus Nachhaltigkeitsperspektive. Drittens: echte Kommunikation mit der Studierendenschaft. Viertens: Barrierefreiheit auch im Alltag – durch die kameragestützte Kassenerfassung sind derzeit keine Ausnahmen mehr möglich, etwa bei Allergien; wer keine Tomatensoße verträgt, bekommt nicht einmal die puren Nudeln abgerechnet. Und fünftens, grundsätzlich: Die Kernaufgabe des Studierendenwerks ist es, allen Studierenden ein bezahlbares Essen zu ermöglichen. Wenn das Argument lautet, vegane Gerichte seien teurer, dann streiche man eben einmal ein Fleisch- oder Fischgericht – beides muss nicht täglich parallel verfügbar sein, veganes Essen können hingegen alle essen.
Stimmen aus dem AStA (Zitate zur freien Verwendung)
„Wir haben ein günstiges veganes Gericht an jedem Standort gefordert – jeden Tag, nicht einen Monat lang nur Spaghetti Napoli. Aus unserer Forderung ist eine Karikatur gemacht worden.“ — Alessio Dale, AStA-Vorstandskollektiv
„Vier Wochen lang jeden Tag dasselbe Gericht ist keine vegane Vielfalt, sondern eine Zumutung – und wer eine Tomatenallergie hat, bleibt am Ende ganz ohne Mittagessen.“ — Persephone, Fachschaften Koordinatorin des AStA
Den Pilotversuch werden wir am 1. Juli in der Fachschaftspräsidiumsrunde gegenüber dem Studierendenwerk konkret ansprechen. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung.