Call for Papers: Wem gehört die Stadt?!

Liebe Autor*innen, Liebe Leser*innen, 

das Thema Wohnraum ist allgegenwärtig. Das verwundert kaum, wagt man einen Blick auf die Entwicklungen die der Wohnungsmarkt mit sich zieht: Besonders in Großstädten steigen die Mieten seit Jahren, teils drastisch, an. Gerade Frankfurt hält sich regelmäßig unter den Top drei der Großstädte mit den höchsten Mieten auf.[1] Infolgedessen werden diejenigen die sich die horrenden Mieten nicht mehr leisten können, aus ihren Wohnungen und an den Stadtrand verdrängt. Lange bestehende soziale Gefüge werden auseinandergerissen und die Stadt verkommt immer mehr zu einem reinem Konsumraum für Wohlhabende. Das was aber real an Wohnungsbau umgesetzt wird, wirkt dieser Tendenz nicht entgegen. Wenn in Frankfurt dringend benötigter Wohnraum gebaut wird, handelt es sich zumeist um Eigentumswohnungen für Spitzenverdiener*innen, nur 3% aller Neubauten sind Sozialwohnungen.[2] Und das obwohl ca. 68% aller Haushalte in Frankfurt ein Anrecht auf geförderten Wohnraum hätten.[3] Der wachsende Riss zwischen Bedarf, Anrecht und realem Zugang auf der anderen Seite steigt demnach stetig. Phänomene wie steigende Mieten, Gentrifizierung oder Privatisierung, sind alles gegenwärtige Phänomene die sich, bei gleichzeitigem Wachstum vieler Städte, weltweit beobachten lassen. Umso notwendiger erscheint es diese Prozesse auch im Gesamtzusammenhang kapitalistischer Entwicklungstendenzen zu betrachten. Die Zuspitzung des Konflikts um Wohnraum ergibt sich aus weitreichenden Verschiebungen von Akkumulationsstrategien und komplexen Inwertsetzungsprozessen im Kapitalismus. Für die Auseinandersetzung mit dem Thema Wohnraum, bedarf es also auch immer den Blick auf die strukturellen Grundlagen von Verdrängung und Prekarisierung.  

Doch dabei stellt die Frage nach Wohnraum nicht nur eine Frage der Erschwinglichkeit und des Zuganges dar, vielmehr kann sich aus ihr eine ganz grundsätzliche Auseinandersetzung über wünschenswerte Formen des Zusammenlebens entwickeln.  Für den kritischen Soziologen Henri Levebre war das Urbane immer auch ein Ausblick auf eine andere Gesellschaft. Die Stadt ist nicht nur die uns umgebende materielle Umwelt, sondern ebenfalls ein Versprechen. So stellt sie auch heute noch, wenngleich in immer geringerem Maße den Ort da, in welchem verschiedenste Formen der Lebensgestaltungen miteinander in Berührung kommen. Weshalb gerade der Stadt das Potenzial gegeben ist, Ort der kollektiven Neugestaltung der Gesellschaft zu sein.  

Wem gehört die Stadt? Diese Frage verweist schlussendlich nicht nur auf urbane Besitz- und Machtverhältnisse sondern ist gleichzeitig auch Kritik, Anhaltspunkt für politische Praxis, theoretische Reflexion und ein Ausblick auf eine mögliche, andere Stadt, ein anderes Leben. Mit dieser Frage wollen wir dazu anregen sich zwischen diesen Ebenen mit der Thematik auseinanderzusetzen. Eure Beiträge können sich mit unterschiedlichsten theoretischen Überlegungen, Fragen zur politischen Organisierung, persönlichen Erfahrungen oder anderen Themen beschäftigen.

Ihr könnt uns diese in beliebiger Form (Text, Bild, Zeichnung, o.Ä,) per Mail an zeitung [at] asta-frankfurt [dot] de schicken. Die Deadline ist der 28.02. Bitte denkt daran die Texte als Word-Datei zu senden und die Begrenzung von 8.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) einzuhalten.

Bis dahin, 

Eure Redaktion               

 

1 https://www.fnp.de/frankfurt/frankfurt-spitzenplatz-einer-stadt-mieten-teurer-zr-13534668.html 

2 Nur ein Beispiel ist die geplante Bebauung der “Grünen Lunge”: Auf dem Gartengebiet oberhalb des Günthersburgpark sollen die sogennanten Günthersburghöfe entstehen. Der Hauptinvestor ist die Instone AG, welche dort hochpreisige Eigentumswohnungen bauen will. Siehe auch: https://gruenelungebleibt.wordpress.com/about/ 

3 49 % der Frankfurter Mietwohnungs-Haushalte hat Anspruch auf eine Sozialwohnung zu einem Mietpreis von 5,00 bis 6,50 Euro. Zusätzlich haben weitere 19 % Anspruch auf eine Wohnung des sogenannten zweiten Förderwegs, also für 8,50 bis 10,50 Euro pro Quadratmeter. Siehe auch: https://mietentscheid-frankfurt.de/?page_id=1491 

  

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