Resolution zur Bereitstellung von Menstruationsartikeln

Datum der Veröffentlichung:Dienstag 10.11.2020

Das Studierendenparlament der Goethe-Universität Frankfurt am Main hat am 10.11.2020 folgende Resolution beschlossen:

Die Goethe-Universität soll in allen ihren Einrichtungen kostenlose Menstruationsartikel zur Verfügung stellen.

Menstruationsartikel gehören ebenso wie etwa Toilettenpapier zum Grundbedarf von menstruierenden Personen und dürfen keine Luxusware sein. Nach dem zähen Ringen um eine Vergünstigung von Menstruationsartikeln in der zweiten Hälfte letzten Jahres konnte mit einer Steuersenkung von 19 auf 7 Prozent ein magerer Erfolg verbucht werden. Dass die Senkung der sogenannten „Tamponsteuer“ überhaupt erst auf der politischen Bühne thematisiert wurde, ist den Anstrengungen zweier Petitionen zu verdanken, welche insgesamt von 30.000 Menschen unterschrieben wurden. Die Steuersenkung führte zwar zunächst zu einer Vergünstigung des Kaufpreises von Menstruationsartikeln durch die Handelsketten. Zugleich erhöhten die Hersteller nach Verkündigung der Steuersenkung aber den Preis ihrer Produkte an den Handelsketten vorbei. Somit bleibt die finanzielle Mehrbelastung durch den regelmäßigen Kauf von Menstruationsartikeln weiterhin bestehen.

Diese Mehrbelastung reiht sich in eine lange Liste von Punkten ein, welche die Geschlechterungleichheit in Deutschland weiter manifestieren. Der Mangel an kostenlos bereitgestellten Menstruationsartikeln wird häufig nicht kritisch hinterfragt, sondern als Selbstverständlichkeit hingenommen. Diese Selbstverständlichkeit ist zugleich Ausdruck einer gesellschaftlichen Tabuisierung der Menstruation, der mit einer kostenlosen Bereitstellung von Menstruationsartikeln entgegengewirkt werden könnte.

Die Universität ist als Institution eine gesellschaftlich relevante Akteurin, welche den Anspruch erheben sollte, über gesellschaftliche Missstände aufzuklären und eine Vorreiterrolle bei ihrer Überwindung einzunehmen. Als positives Beispiel kann auf die diesjährige Entwicklung an der Universität Graz verwiesen werden. Dort hat die Studierendenschaft durchgesetzt, dass die Universität zusammen mit dem Menstruationsartikelhersteller „Erdbeerwoche“ entsprechende Spender in den universitären Einrichtungen finanziert. Die Goethe-Universität sollte diesem Beispiel folgen und Menstruationsartikel in all ihren Einrichtungen kostenlos zur Verfügung stellen.

Soziale Netzwerke