Pressemitteilung: Veranstaltung zum Novemberpogrom 1938

Datum der Veröffentlichung:Freitag 29.10.2021

4. November 2021, 18 Uhr, Festsaal des Studierendenhauses in Bockenheim (3G-Regeln)

Der AStA der Goethe-Universität Frankfurt wird am 04. November gemeinsam mit dem Verband jüdischer Studierender Hessens (VJSH) im Gedenken an den Novemberpogrom 1938 eine Veranstaltung durchführen, um anlässlich des 09. Novembers ein historisches Bewusstsein um die unvergleichlichen Verbrechen in der NS-Zeit zu vermitteln.

Die AStA-Referentin Newal Yalcin über die Veranstaltung: „Auch vor dem Hintergrund unseres Auftrages zur politischen Bildung geht es im Kampf gegen heutige Judenfeindschaft um den Zusammenhang zwischen Novemberpogrom 1938 und den Vernichtungslagern. Keine Frage: Politische Bildung kann nicht neutral sein!“

Die Veranstaltung soll aufzeigen, dass es während der Zeit des Nationalsozialismus durchaus jüdischen Widerstand gab. Aus Protest gegen die Massenabschiebungen von jüdischen Familien ohne deutschen Pass nach Polen erschoss Herschel Grynszpan, der zuvor in Frankfurt eine jüdische Schule besuchte, am 07. November einen Nazi- Funktionär in Paris. Nur zwei Tage später nahmen die Nazis die Erschießung als Vorwand für ihre Pogrome in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938. Grynszpan wurde später inhaftiert und vor Ende des Krieges – vermutlich im KZ Sachsenhausen – umgebracht.

„Nach dem Boykott jüdischer Geschäfte 1933 war der Novemberpogrom 1938 ein unübersehbares Ereignis für alle Deutschen und für die ganze Welt. Es hat demonstriert, zu welcher Verhetzung der Bevölkerung und zu welchen Verbrechen gegen die jüdische Bevölkerung die Nazis fähig sind“, betont AStA-Vorsitzender Mathias Ochs.

Die Deportationen der jüdischen Bevölkerung sowie Sinti*zze und Rom*nja aus Deutschland und allen von der Wehrmacht besetzten Ländern bedeutete den Beginn des industriell betriebenen, staatlich organisierten Massenmordes. Dieser ist ohne Präzedenz und bis heute einzigartig in der Geschichte der Menschheit.

AStA-Vorsitzende Kyra Beninga erklärt: „Diese Einzigartigkeit darf gerade heute nicht verwischt werden, wo auf allen Ebenen die deutschen weltgeschichtlichen Verbrechen in den Hintergrund gedrängt, relativiert oder gar geleugnet werden.“

Daher wird im Rahmen der Veranstaltung neben Herschel Grynszpan auch ganz bewusst an die im Widerstand kämpfende Roza Robota erinnert. Roza wurde 1942 nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und unterstützte dort mit eingeschmuggeltem Sprengstoff die „Kampfgruppe Auschwitz“. Sie wurde schließlich gefasst, gefoltert und öffentlich in Auschwitz-Birkenau mit drei Mitkämpferinnen am 5. Januar 1945, kurz vor der Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945, hingerichtet. 

Der Vortrag von apl. Prof. Dr. Benjamin Ortmeyer hat also den jüdischen Widerstand in der NS-Zeit im Allgemeinen sowie die konkreten Geschichten dieser beiden Menschen zum Thema. Dass es beim Erinnern und Gedenken aber nicht nur um die jüdischen Frauen und Männer im Widerstand geht, sondern um alle von den Nazis ermordeten jüdischen Menschen, wird Rabbiner Andrew Steiman (Frankfurt am Main) abschließend mit dem Gebet „el mole rachamim“ zeigen.

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