PM: Die Studienbedingungen an der Goethe-Universität drohen sich weiter zu verschlechtern

Datum der Veröffentlichung:Montag 9.3.2020
Der am 03. Februar 2020 veröffentlichte offene Brief von Germanistik-Studierenden der Goethe-Universität hat auf die schlechten Studienbedingungen an der größten Hochschule Hessens aufmerksam gemacht. Mit ihren Problemen stehen die Studierenden dieses Fachbereichs allerdings nicht allein da: Die sich seit Jahren verschlechternden Lehr- und Studienbedingungen haben immer wieder Diskussionen um eine zu geringe Grundfinanzierung der Universität und prekäre Arbeitsverhältnisse angestoßen. Doch je näher das Ende des aktuellen hessischen Hochschulpaktes und des Qualitätspaktes Lehre des Bundes und der Länder (QPL) rückt, desto verunsicherter sind Studierende und Beschäftigte, die noch immer nicht wissen, wie viel Geld der Universität ab 2021 noch zur Verfügung stehen wird. Am 11. März 2020 unterzeichnet die Landesregierung mit den hessischen Hochschulen den für die kommenden Jahre wegweisenden neuen Hochschulpakt (HSP 2020), über dessen Inhalt bisher kaum Informationen nach außen gedrungen sind. Auch an der Goethe-Universität ist bisher nur eines klar: In Sachen Studienqualität war der offene Brief der Germanistik-Studierenden nur die Spitze des Eisbergs.
Schon das im Rahmen des letzten Hochschulpaktes (HSP 2016) vom Land an die Goethe-Universität ausgeschüttete Grundbudget nämlich konnte dem tatsächlichen Bedarf der Hochschule nicht gerecht werden, wie selbst ein nur oberflächlicher Blick auf die Studienbedingungen vor allem in den geistes- und gesellschaftswissenschaftlichen Studiengängen zeigt. Die sogenannte leistungsorientierte Mittelzuweisung des Landes, welche die Höhe der finanziellen Zuwendungen für die Universität nicht länger nach immatrikulierten Studierenden insgesamt, sondern nur noch nach solchen in Regelstudienzeit bemisst, ist hierbei die grundlegende Ursache für die Unterfinanzierung: Nicht nur sind die Studierendenzahlen stark angestiegen, auch die Studierendenschaft selbst ist zunehmend heterogen geworden. Das Vollzeitstudium in Regelstudienzeit kann deshalb nicht länger als Norm gelten. „Die Mittelzuweisung nach Regelstudienzeit verkennt die Lebensrealität vieler Studierender, die neben dem Studium arbeiten, Praktika absolvieren oder die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts wahrnehmen – und die Regelstudienzeiten damit überschreiten. Die Konsequenz ist zu wenig Geld für die Uni und eine unzureichende Betreuungsrelation, die zu übervollen Seminaren und überlasteten
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Lehrenden führt”, erklärt Paula Hirsch Referentin für Studienbedingungen, vom AStA der Goethe-Universität.
Erschwerend komme hinzu, dass die von der Goethe-Universität im Rahmen des Qualitätspaktes Lehre eingeworbenen Mittel Ende 2020 gänzlich wegfallen werden. „Zurzeit ist völlig unklar, ob und wie die damit finanzierten Lehraufträge, Tutorien und Programme ohne erhebliche Kürzungen aufgefangen werden sollen. Dabei haben sich die mit diesen QPL-Mitteln finanzierten Maßnahmen in den letzten Jahren längst zu einer wichtigen Stütze der Lehre an der Goethe-Universität entwickelt.“, so Luise Brunner, ebenfalls AStA-Referentin für Studienbedingungen. Auch die vom Land zusätzlich zu den Grundbudgets vergebenen Mittel zur “Verbesserung der Qualität der Studienbedingungen und der Lehre” (QSL) sind mit dem neuen HSP in ihrem Fortbestand gefährdet. Die QSL-Mittel, die nach der Abschaffung der allgemeinen Studiengebühren in Hessen vor allem zur Verbesserung der Lehr- und Studiensituation an den Hochschulen etabliert wurden, sind in der letzten Dekade zu einer zentralen Finanzierungsquelle für die Aufrechterhaltung des ordentlichen Lehrbetriebs an der Goethe-Universität geworden. Nicht nur Lehraufträge und Tutorien für Veranstaltungen des Pflichtcurriculums werden hiermit finanziert. Zentrale Beratungseinrichtungen der Universität, Teile der Ausstattung der Bibliotheken und Institute, aber auch spezielle Förderfonds zur Verbesserung des Lehrangebots sowie zur Finanzierung studentischer Projekte sind abhängig von QSL-Mitteln. Sicher ist: Sowohl der Wegfall der QPL-Mittel als auch der unklare Fortbestand der unter studentischer Beteiligung verwalteten QSL-Mittel lassen vor dem Hintergrund der bereits bestehenden Unterfinanzierung eine für alle Universitätsangehörigen spürbare Verschlechterung der Lehr- und Studienbedingungen erwarten.
Ohnehin haben wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der fortlaufenden Prekarisierung ihrer Arbeitsverhältnisse zu kämpfen. Von Entfristungen, welche im Koalitionsvertrag der aktuellen Landesregierung angedacht waren, fehlt weiterhin jede Spur.
Die Verhandlungen des HSP hinter verschlossenen Türen und die Intransparenz in der Mittelvergabe auch innerhalb der Universität machen eine studentische Einsicht und dadurch Mitbestimmung in diesen wichtigen Fragen gegenwärtig kaum möglich – dabei sind die Studierenden von der Zukunft der Studienbedingungen unmittelbar betroffen. Janine Hagemeister, Fachschafts-Referentin vom AStA der Goethe-Universität, fasst zusammen: „Es ist skandalös, wie intransparent die Verhandlungen um den neuen HSP geführt worden sind. Weder Studierende noch der akademische Mittelbau wurden als Betroffene in den Prozess eingebunden. Weil die QPL-Mittel bald ersatzlos wegfallen und zu befürchten ist, dass auch die Zweckgebundenheit der QSL-Mittel für die Lehre zukünftig wegfallen wird, rechnen wir mit einer deutlichen Verschlechterung der Studienbedingungen.” Von diesen Problemen sind dabei nicht nur die Germanistik-Studierenden und andere Fachbereiche der Goethe-Universität betroffen, sondern alle Universitäten Hessens.

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