PM: Bereitstellung von Menstruationsprodukten durch die Universität

Datum der Veröffentlichung:Montag 18.1.2021

Das schottische Parlament hat im November letzten Jahres einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der die Regierung dazu verpflichtet, in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Universitäten kostenlose Menstruationsartikel bereitzustellen.1 Der Gesetzesentwurf soll die ökonomische Ungleichbehandlung von menstruierenden Personen ausgleichen und außerdem zu einer gesellschaftlichen Enttabuisierung des Sprechens über die Menstruation beitragen.

 

Indessen sieht die deutsche Realität noch ganz anders aus. Nach dem zähen Ringen um eine Vergünstigung von Menstruationsartikeln im Jahr 2019 konnte mit einer Steuersenkung von 19 auf 7 Prozent ein magerer Erfolg verbucht werden. „Dass die Senkung der sogenannten ‚Tamponsteuer‘ überhaupt erst auf der politischen Bühne thematisiert wurde, ist den Anstrengungen zweier Petitionen zu verdanken, welche insgesamt von 30.000 Menschen unterschrieben wurden. Die Steuersenkung führte zwar zunächst zu einer Vergünstigung des Kaufpreises von Menstruationsartikeln durch die Handelsketten. Zugleich erhöhten die Hersteller nach Verkündigung der Steuersenkung aber den Preis ihrer Produkte an den Handelsketten vorbei. Somit bleibt die finanzielle Mehrbelastung durch den regelmäßigen Kauf von Menstruationsartikeln weiterhin bestehen“, so Larissa Dewald, Feminismus-Referentin des AStA.

 

Dazu meint AStA-Vorsitzende Kyra Beninga: „Diese Mehrbelastung reiht sich in eine lange Liste von Punkten ein, welche die nicht zuletzt ökonomische Geschlechterungleichheit in Deutschland weiter manifestieren. Der Mangel an kostenlos bereitgestellten Menstruationsartikeln wird häufig nicht kritisch hinterfragt, sondern als Selbstverständlichkeit hingenommen. Diese Selbstverständlichkeit ist zugleich Ausdruck einer gesellschaftlichen Tabuisierung der Menstruation, der mit einer kostenlosen Bereitstellung von Menstruationsartikeln entgegengewirkt werden könnte. Menstruationsartikel gehören ebenso wie etwa Toilettenpapier zum Grundbedarf von menstruierenden Personen und dürfen keine Luxusware sein.“

 

Die Universität ist als Institution eine gesellschaftlich relevante Akteurin, welche den Anspruch erheben sollte, über gesellschaftliche Missstände aufzuklären und eine Vorreiterrolle bei ihrer Überwindung einzunehmen. Feminismus-Referentin Hella Rabien betont: „Mit Blick auf die Bereitstellung von Menstruationsartikel hat die Hochschule Merseburg diese Rolle ernstgenommen: Nach einer einjährigen Testphase stellt die Hochschule seit November letzten Jahres als erste deutsche Hochschule kostenlose Menstruationsartikel zur Verfügung.“2 Als positives Beispiel kann zudem auf die letztjährige Entwicklung an der Universität Graz verwiesen werden. Dort hat die Studierendenschaft durchgesetzt, dass die Universität zusammen mit dem Menstruationsartikelhersteller „Erdbeerwoche“ entsprechende Spender in den universitären Einrichtungen finanziert.3

 

Nachdem das Studierendenparlament der Goethe-Universität bereits eine entsprechende Resolution verabschiedet hat, sollte die Universitätsleitung den oben genannten Beispielen folgen und Menstruationsartikel in all ihren Einrichtungen kostenlos zur Verfügung stellen.

 

 

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