Indoor-Camping für wohnungslose Studierende in Bockenheim

Datum der Veröffentlichung:Montag 16.9.2019

Indoor-Camping für wohnungslose Studierende in Bockenheim

 

In der Woche vom 07.-11. Oktober veranstaltet der AStA der Goethe Universität auch in diesem Jahr wieder das seit 2011 stattfindende Protestcamp „Mieten? Ja Wat denn?!“ am Campus Bockenheim. Mit Indoor-Camping und einer Reihe von thematischen Aktionen soll auf den immer größer werdenden Mangel an bezahlbaren Wohnraum für Studierende aufmerksam gemacht werden.

 

„Für wohnungslose Studierende besteht in dieser Woche die Möglichkeit, kostenlos und unbürokratisch einen Schlafplatz im Studierendenhaus zu erhalten, um die Wohnungssuche so stressfrei wie möglich absolvieren zu können. Während der Woche wird es neben Schlafplätzen ein breites Rahmenprogramm geben. Neben Barabenden und Cafébetrieb finden eine Vielzahl an Workshops, Filmvorführungen und Diskussionsveranstaltungen statt“, erklärt AStA-Vorsitzende Kyra Beninga. 

 

„Die Situation auf dem Frankfurter Wohnungsmarkt wird fortwährend prekärer, weshalb die aufwendige Organisation unseres Indoor-Camps notwendig bleibt,“ erklärt Beninga die Motivation des AStA, die „langsam schon zur traurigen Tradition werdende Veranstaltung“ erneut auszurichten. So zeigt ein Gutachten des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA), dass der Immobilienmarkt in Frankfurt mit einer Leerstandsquote von unter 0,5 Prozent leergefegt sei. Die Dunkelziffer könnte allerdings höher sein, da Eigentümer ihre Immobilien zum Teil bewusst leerstehen lassen, um sie zu einem späteren Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen. Doch anders als in Bayern, wo durch eine verschärfte Wohnraumzweckentfremdungs-Gesetzgebung Bußgelder bis zu 500 000 Euro drohen, sieht die hessische Landesreagierung keine Notwendigkeit das 2004 abgeschaffte Wohnraumzweckentfremdungsgesetz zu reaktiveren.[1]

 

„Vor diesem Hintergrund erscheint es umso dramatischer, dass vorhandene Landesflächen nicht für die Bebauung mit günstigem Wohnraum gesichert werden, sondern nach der Höhe des Kaufpreises vergeben werden“, sagt Jonathan Maaß, AstA-Referent für Hochschulpolitik. Bestes Beispiel für das Versagen der Landesregierung ist der Verkauf des Alten Polizeipräsidiums für über 212 Millionen Euro an einen privaten Investor, der nun Luxuswohnungen auf ehemals staatlichen Grund errichtet. Weitere prominente Beispiele für die völlig verfehlte Wohnungspolitik sind die neuen „Luxustower“ in Frankfurt wie der „Grand Tower“ (bis zu 19.000 Euro pro Quadratmeter), der „Omniturm“ (verkauft an einen privaten Investor für 700 Mio. Euro), oder „One Forty West“ und „99 West“ die skandalöser Weise auf dem Gelände des ehemaligen AfE Turms der Goethe-Universität errichtet werden und die Gentrifizierung Bockenheims weiter vorantreiben.

 

„Neben dem fehlenden Wohnraum verschärfen die exorbitant hohen Mieten die untragbare Situation auf dem Wohnungsmarkt weiter. Denn Wohnraum im Rhein-Main Gebiet ist nicht nur knapp, sondern auch teuer“, meint Jonathan Maaß. Im vergangenen Jahr stiegen die Mieten erneut rasant an, sodass der durchschnittliche Quadratmeterpreis (warm) in Frankfurt bei 18,74 Euro liegt.[2] Für Studierende mit geringem Einkommen ist es deshalb besonders schwierig eine bezahlbare Bleibe zu finden. Aus diesem Grund erscheint es nicht verwunderlich, dass weit mehr als jede/r dritte Frankfurter Studierende (37,2 Prozent) noch zuhause wohnt, während der Bundesdurchschnitt bei 24,5% liegt.[3]

 

Studierendenwohnheime bieten dabei keine Entlastung. Laut Wohnraumstatistik des Deutschen Studentenwerks [sic!] aus dem Jahr 2018 gab es lediglich für 6,95 Prozent der 80.000 Studierenden im Rhein-Main-Gebiet einen öffentlich geförderten Wohnheimplatz.[4] Damit liegt die Versorgungsquote hier noch unter dem niedrigen Bundesdurchschnitt von 10%. „Die Wartelisten sind enorm lang und viele Studierende müssen auf überteuerte Mikroapartments privater Investoren ausweichen, zu Massenbesichtigungen mit 50 Mitbewerber*innen oder Staffelmieten hinnehmen“, sagt Kyra Beninga. „Zudem müssen die Studierenden oft fünf oder sechs WG-Castings am Tag auf sich nehmen, bis sie ein WG-Zimmer gefunden haben. Eine strapaziöse und zuweilen auch sehr erniedrigende Tortur“

 

Diese Entwicklungen führen mit den immer weiter steigenden Studierendenzahlen zu einer dramatischen Verknappung von für Studierende finanzierbaren Wohnraum und somit zu einer fortschreitenden Verdrängung von Studierenden aus der Stadt. Diesem Trend entgegenzuwirken und damit studentisches Leben zu erhalten und fördern, muss höchste Priorität kommunaler und hessischer Wohnraumpolitik sein.

 

 

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