Call: Depression, Alltag und Gesellschaft

Datum der Veröffentlichung:Montag 4.6.2018

Call for Papers

Depression, Alltag und Gesellschaft

Das Regionalbüro für Europa der WHO hält Depressionen für den „wichtigste[n] Einzelfaktor für psychische Gesundheitsprobleme in Europa“ und schätzt die Anzahl der weltweit Erkrankten auf circa 350 Millionen Menschen. Unter anderem aufgrund von Scham- und Schuldgefühlen der Betroffenen werden viele Fälle jedoch gar nicht erst diagnostiziert, weshalb die Dunkelziffer weit höher einzuschätzen ist. Innerhalb der am stärksten betroffenen Gruppe, junge Menschen im Alter von 18-29 Jahren, leiden Studierende öfters an Depressionen als Erwerbstätige gleichen Alters (1). Viele Soziolog*innen, beispielsweise Alain Ehrenberg, vertreten die These, Depression sei ein spezifisch zeitgenössisches Krankheitsbild, das durch die stark gestiegenen Anforderungen an den Einzelnen innerhalb neoliberaler Gesellschaften bedingt sei. War die Neurose die pathologische Signatur eines repressiven Kapitalismus, so sei die Depression die Kehrseite einer kapitalistischen Gesellschaft, die das authentische Selbst zur Produktivkraft macht und es bis zur Erschöpfung fordert.

In der kommenden Ausgabe widmen wir uns den vielseitigen Wechselbestimmungen von Depression. Hierzu scheint eine kritische Betrachtung derjenigen gesellschaftlichen Verhältnisse und Institutionen als unabdingbar, welche Depression als ein Alltagsphänomen hervorbringen.

Mögliche Fragestellungen könnten sein:
Welche Wechselwirkung besteht zwischen Depression, (universitären) Alltag und Gesellschaft? Warum ist Depression gerade in der heutigen Zeit so omnipräsent? Wie ist das Verhältnis einer kapitalistischen Gesellschaft zur psychischen Erkrankungen des Einzelnen zu bestimmen? Kann in den bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen diese Form der „Krankheit“ geheilt werden, oder lediglich nur ein Umgang damit gefunden werden? Warum beschreiben vor allem junge Menschen (Aus)Weglosigkeit als das, woran sie am meisten leiden? Woran krankt der Versuch der Selbstbestimmung innerhalb verschiedenster Institutionen? Welche Geschichte hat die Krankheit Depression? Und wird sich dieses Phänomen im Zuge ändernder Arbeits- und dementsprechend Lebensverhältnisse sogar noch weiter zuspitzen? Oder anders gefragt: Kann man sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen?

Wir freuen uns sehr auf eure Texte, Gedichte oder Comics zu diesem Thema, das gewissermaßen jede und jeden mittel- oder unmittelbar (be)trifft oder (be)treffen kann.
Bitte versucht die formale Vorgabe von maximal 8000 Zeichen einzuhalten und reicht eure Beiträge bis spätestens Montag, den 20. Juli, ein.

Fragen und Entwürfe könnt ihr jederzeit an zeitung [at] asta-frankfurt [dot] de schicken.

 

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1Laut einer Studie von Holm-Hadulla et. al. leiden 20-25% der Studierenden unter psychischen Beschwerden, präziser depressiven Symptomen. Zudem ist ein Anstieg des Verschreibens von Antidepressiva zu bemerken, insbesondere bei jungen Studierenden im Vergleich zu Erwerbstätigen in derselben Altersgruppe, was auf eine erhöhte psychische Belastung Studierender zurückzuführen sei. (Quelle: Forschungsbericht „Universität und Depression“, Böcker, Julia: Leuphana Universität Lüneburg, 2016)

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