Adolf-Messer-Stiftung-Lounge bleibt Nazi-Ehrung

Datum der Veröffentlichung:Samstag 26.5.2018

Die Adolf-Messer-Stiftung-Lounge bleibt eine Nazi-Ehrung. Uni-Präsidium widersetzt sich Senatsbeschluss.

Am 21.03. hatte sich der Senat der Uni Frankfurt endlich durchgerungen einstimmig die Umbenennung der „Adolf Messer Stiftung- Lounge“ am Campus Riedberg in die Wege zu leiten. (Adolf Messer war seit den 1933 in der NSDAP und beschäftigte in seinem Frankfurter Unternehmen Zwangsarbeiter.) Dies sollte durch konsensuale Aussprache mit der Adolf Messer Stiftung abgesegnet werden. Der Nachkomme Stefan Messer hat hierzu geäußert, dass weder er noch die Stiftung Gegenleistungen oder Forderung erhoben hätten oder erheben würden.

Dieser Konsens reicht aber nur bis zum Präsidium. Das Präsidium, vertreten durch den Vize-Präsident Schubert-Zsilavecz belehrte im Senat darüber, dass die Beschlüsse des höchsten demokratischen Gremiums der Uni lediglich als Ratschläge gelten. Der Raum würde den alten Namen behalten. Mit dieser Präsidiums-Position bestärkt der wiedergewählte Vizepräsident die autoritäre Linie des Präsidiums, sehr zum Ärger auch der im Senat vertretenden Professor*innen.

Das Präsidium setzt damit die Folge von Fehltritten in der Aufarbeitung der Vergangenheit fort.

„Wir können darin weiterhin nichts als den Unwillen erkennen, den das Präsidium an einer ernsthaften und transparenten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Nationalsozialismus an den Tag legt. Einzig Lippenbekenntnisse leistet sich die Leitung der Universität.“, so die AStA-Referentin für Studienbedingungen Newal Yalcin.

Zwar hatte die Uni Anfang des Monats zugestanden den SS-Mann Albrecht Schmidt von der Ehrentafel der Uni zu entfernen. Was jedoch weiterhin fehlt, ist eine beständige und verlässlich arbeitende Kommission, unter institutioneller Beteiligung des AStA und der Studierenden-Initiativen, die auch hochschulpolitisch Stellung bezieht, gegen jede Verharmlosung vorgeht und die vergangenen Täter und Opfer erfasst.

Das zwei solche brisanten Fälle 2018 noch möglich sind, zeigt, dass das Präsidium der GU es immer noch nicht vermag, dem Themenkomplex entsprechende Mittel und Aufmerksamkeit bereit zu stellen.  Als drittgrößte Uni Deutschlands ist man hier offensichtlich nicht in der Lage oder willens, der Verantwortung einer teilprivaten Stiftungsuni gerecht zu werden und zu gemachten Fehlern zu stehen.

 

Weitere Materialien zu Adolf Messer: https://forschungsstelle.wordpress.com/2018/03/09/debatte-um-umbenennung-der-adolf-messer-stiftung-lounge/

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