100 Jahre Antifaschismus - Call for Papers

Datum der Veröffentlichung:Dienstag 29.6.2021

100 Jahre Antifaschismus

 Wo faschistische Ideologien, Bewegungen oder Regierungen entstanden, bildete sich auch immer Widerstand. So auch in Italien, wo sich im Juni 1921 die Gruppe Arditi del popolo gründete, um dem Terror der faschistischen Schwarzhemden etwas entgegenzusetzen. Sie gilt als erste dezidiert antifaschistische Gruppe, in ihr vereinigten sich Sozialist*innen, Kommunist*innen, Anarchist*innen und Republikaner*innen. Seitdem sah der antifaschistische Kampf viele Schauplätze: Arbeiter*innen organisierten sich gemeinsam in der von der KPD ausgerufenen Antifaschistischen Aktion, Jüd*innen kämpften in Partisanengruppen gegen die Herrschaft des Nationalsozialismus, die Interbrigadist*innen leisteten internationale Solidarität und versuchten letztlich vergebens die Zweite Spanische Republik zu verteidigen. Auch mit der Kapitulation Nazi-Deutschlands am 08. Mai fand der Kampf gegen den Faschismus nicht sein Ende. Eine konsequente Aufarbeitung der Verbrechen des NS-Regimes hat es weder in der DDR noch in der BRD gegeben. Mangelnde Entnazifizierung führte auch in der Nachkriegszeit zu faschistischen Kontinuitäten in der Politik, Justiz, Polizei, Verwaltung und auch an den Universitäten. In anderen Ländern, wie Spanien oder Portugal, blieben faschistische Regime noch Jahrzehnte an der Macht. Trotz der Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs konnten sich noch weitere rechtsextreme Regime etablieren, so etwa in Chile, Brasilien, Argentinien und Griechenland. Die Geschichte des Antifaschismus ist nicht zuletzt auch eine Geschichte vieler Niederlagen. Doch wo stehen wir heute? Rechte Bewegungen und Parteien sind weltweit auf dem Vormarsch und streben die Erringung gesellschaftlicher Hegemonie an. Zugleich machen die Geschehnisse rund um den sogenannten NSU das Ausmaß der Verstrickungen staatlicher Behörden in rechten Terror in aller Härte deutlich. Für Antifaschist*innen zeigt sich also, dass bei der Bekämpfung rechter Umtriebe kein Verlass auf den Staat ist. Eine Einschätzung, die sich bei dem mittlerweile regelmäßig gewordenen zutage treten rechter Netzwerke innerhalb der Polizei und Bundeswehr nur zu bestätigen scheint. Ein konsequenter Antifaschismus ist damit auf sich allein gestellt. Um wirksam auf diese neuen Bedrohungen reagieren zu können, hat sich auch der antifaschistische Widerstand angepasst. Statt auf den Staat und seine Institutionen zu vertrauen, organisieren sich Antifaschist*innen heute in Recherche-Teams und leisten Aufklärung auf eigene Faust. Feministische und migrantische Gruppen bilden eigene Antifa-Strukturen, um sich wirksam vor Übergriffen zu schützen. Die letzten hundert Jahre bieten zu viele Eckpunkte antifaschistischer Bewegung um sie alle nennen zu können. Zwar bestand der Widerstand gegen faschistische Tendenzen oftmals aus direkten Aktionen, allerdings ist antifaschistische Arbeit immer vielfältig gewesen. Von investigativen Recherchen, Bildungsarbeit, der Auseinandersetzung in Kunst und Kultur, über großen Kampagnen bis hin zu militanten Aktionen war alles vorhanden. Das Ziel war jedoch letztendlich immer eines: Die Selbstauflösung. Antifaschist*innen kämpften auf unterschiedliche Weise für eine Gesellschaft in welcher ihre Arbeit nicht mehr notwendig wäre. Eine Gesellschaft frei von faschistischer Gefahr und autoritärer Herrschaft. Die Auseinandersetzung mit der antifaschistischen Geschichte ist nicht bloß historische Betrachtung. Sie ist auch immer ein Verweis auf die Verhältnisse und Möglichkeiten der Gegenwart. Aus ihr lassen sich wertvolle Erfahrungen und Rückschlüsse ziehen. Es gibt also genug Gründe, dem Antifaschismus eine Ausgabe zu widmen. Hierfür suchen wir Texte, die sich mit der Geschichte und Gegenwart, Theorie und Praxis, sowie allen anderer Erscheinungsformen des Antifaschismus auseinandersetzen.

Mögliche Themen sind insbesondere:

• Geschichte des Antifaschismus

• Nationalsozialistische Kontinuitäten an der Uni

• Rechte Strukturen in Verfassungsschutz, Polizei und Militär

• Migrantischer Selbstschutz

• Faschismus und Antifeminismus (Bildung von Fantifa-Strukturen)

• Antisemitismus, Rassismus, Antiziganismus

• Antifaschismus im globalen Kontext

• Faschismustheorien

 

Die Liste ist keineswegs abschließend, also schickt uns gerne Vorschläge als Anfrage per Mail. Einen Leitfaden zum Schreiben von Artikeln findet ihr unter: https://asta-frankfurt.de/angebote/ asta-zeitung/hinweise-fuer-autorinnen.

Redaktionsschluss ist der 01.08.2021 Eure Beiträge schickt Ihr bitte an zeitung [at] asta-frankfurt [dot] de Wir freuen uns auf Eure Einsendungen!

Soziale Netzwerke