Harry Waibel - Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED – Rassismus in der DDR

Di. 09.12. 19:00 Uhr - 21:00 Uhr Cafe KoZ

Die grundlegenden Forschungsarbeit: „Der gescheiterte Anti-Faschismus der SED – Rassismus in der DDR“, in der auch rassistische Angriffe und Pogrome auf „Vertragsarbeiter“ aus über 30 Ländern belegt sind, bildet die Grundlage für meinen Vortrag.
Viele Autor_innen verbreiten die Mär, in Hoyerswerda hätte es 1991 das erste rassistische Pogrom in der deut-schen Nachkriegsgeschichte gegeben. Dem ist nicht so: Das erste rassistische Pogrom in der deutschen Nachkriegsgeschichte fand im August 1975 in Erfurt statt, wo algerische „Vertragsarbeiter“ in mehreren Tagen von Mobs durch die Stadt gejagt wurden. Der erste rassistische Angriff eines deutschen Mobs auf ein Wohnheim, ähnlich dem von 1991 in Hoyerswerda, fand in Dessau am 13. Februar 1977 statt. Dort wurde ein Wohnheim für algerische Arbeiter von Rassisten mit Steinen angegriffen. Insgesamt sind für die DDR über 30 rassistische Angriffe auf Wohnheime von ausländischen Arbeitern und mehrere Pogrome wissenschaftlich belegt. In Merseburg wurden im August 1979 Kubaner getötet und anschließend sorgte die Partei- und Staatsführung der DDR dafür, dass keine juristischen Ermittlungen durch Staatsanwaltschaft und Volkspolizei stattfinden konnten.
Der Anti-Faschismus der SED hat die rassistische, neo-nazistische und antisemitische Entwicklung in der DDR in ihren Ansätzen weder verhindern können, noch konnte er sie stoppen. Dafür sind weitestgehend DDR-spezifische Ursachen aus den Bereiche Geschichte, Ideologie und Politik verantwortlich. Die Verleugnung und Verdrängung dieser Tatsachen bis in die Gegenwart hinein hat gravierende Folgen, was den Anti-Faschismus selbst und was seine Wirksamkeit anbetrifft.

 

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