Pressemitteilung zur Unterbringung von Geflüchteten auf univeristärem Gelände

Datum der Veröffentlichung:Montag 12.10.2015

Am Montag, den 14. September gab das Präsidium bekannt, dass der Sportcampus Ginnheim ab jetzt als Erstaufnahmelager für bis zu 250 Geflüchteten zur Verfügung steht (http://www.muk.uni-frankfurt.de/58121950/239?). Der AStA der Goethe-Universität Frankfurt am Main begrüßt das schnelle und unbürokratische Handeln des Präsidiums, das die Notunterbringung ermöglicht hat. Den vielen Geflüchteten, die derzeit in der Europäischen Union Schutz suchen, lässt sich nur gerecht werden, wenn breite politische und zivilgesellschaftliche Solidarität das Handeln prägt die - wie in diesem Fall - bereitwillig zur Verfügung stehende Räume abgibt. Trotzdem möchten wir nicht in eine Lobhudelei verfallen, denn wir sehen die momentane staatliche und gesellschaftliche Überforderung mit der Anzahl der Geflüchteten als Auswuchs einer Politik, die im Bereich Flucht und Asyl grundsätzlich versagt hat. Anders formuliert werden mit der verzweifelten Errichtung von Notunterkünften für Geflüchtete versucht, selbst geschaffene Probleme zu beseitigen und sich dafür auch noch als Wohltäter darzustellen. Denn so unabdingbar kurzfristig errichtete Notunterkünfte sind, so sehr fehlt es an mittel- und langfristigen Perspektiven für Geflüchtete. Ohne in irgendeiner Art und Weise der existenziellen Unterbringung der Geflüchteten am Sportcampus Ginnheim ihre Notwendigkeit abzusprechen, sehen wir ein gewisses Problem bei der dortigen Unterbringung, da Sportstudierende bis auf weiteres nur sehr  beschränkt die Möglichkeit haben, ihr Studium weiterzuführen. Dies bekommt insbesondere dann Gewicht, wenn sich vor Augen geführt wird, dass zur Zeit laut Journal Frankfurt allein in Frankfurt schätzungsweise 2 Mio. m2 Leerstand an Büroflächen gibt. Eine weitsichtige und kluge Stadtpolitik hätte diesen genutzt, um frühzeitig dezentrale Unterbringungen zu schaffen, die den Bedürfnissen von Geflüchteten gerecht werden als die Massenunterbringung in Turnhallen, betont Matthias Huffer, Referent für Hochschulpolitik. Dass die Stadt Frankfurt und das Land Hessen nicht schon vor Wochen auf das Hilfsangebot des Präsidiums bei der Unterbringung eingegangen sind, ist symptomatisch für den derzeitigen Umgang mit Geflüchteten. Die jetzige Überforderung oder Überlastung reiht sich ein in die Planungslosigkeit und Ignoranz der Behörden und der Politik, die trotz der absehbaren Entwicklungen der letzten Wochen keine Anstalten zu Kursänderungen unternahmen - zum Leidwesen der Betroffenen. Ambivalent ist auch die baldige Unterbringung für 350 Geflüchteten im Labsaal auf dem Campus Bockenheim, die früher als Mensa fungierte und seit 2 Jahren leer steht. Denn sicherlich kann in einer Massenunterbringung weder geflüchteten Familien noch traumatisierten Geflüchteten in dem Maße gerecht werden, wie es dezentrale Unterbringungen in - ebenfalls ungenutztem - Leerstand könnte. Von der Bereitstellung von Psycholog_innen, rechtlicher Beratung oder einer wirklicher Perspektiven für Geflüchtete ganz zu schweigen. In jedem Fall sind die forcierten Registrierungen (ohne juristischen Beistand / Dolmetscher_innen) der Geflüchteten scharf zu kritisieren, sagt Matti-Léon Klieme, Sozialreferent im AStA.

„Die Menschen werden in ihrer Notsituation weiter drangsalieren und einer technokratischen Elendsverwaltung überantworten. Notunterkünfte dürfen nicht zu Außenlagern der Erstaufnahmeeinrichtungen umfunktioniert werden, um vereinfachte
Abschiebungen von Schutzbefohlenen und die Selektion von nicht erwünschten Personengruppen zu ermöglichen!“Glücklicherweise organisieren sich zahlreiche Initiativen und Gruppen, um die desolaten Zustände kritisch zu begleiten und Missstände öffentlich zu machen. Als AStA werden wir aufmerksam begleiten, wie sich die Situation auf dem Gelände der Universität in Ginnheim und Bockenheim entwickelt und zu einer bestmöglichen Unterbringung beitragen, wo wir
nur können. Diese muss sich an den Bedürfnissen, Wünschen und der Perspektive der Geflüchteten selbst orientieren.

Insgesamt bleibt die Auseinandersetzung um Geflüchtete in Frankfurt für uns ein ambivalentes Thema. Denn die dringend notwendige Soforthilfen dürfen nicht in einen blinden Aktivismus verfallen, der die grundsätzliche Kritik am Umgang mit Geflüchteten in Deutschland und Europa vergisst. Wir werden uns weiterhin für einen solidarischen und gerechten Umgang mit Geflüchteten vor Ort einsetzen. Kontakt, an die sich Unterstützer_innen in Frankfurt wenden können, sind exemplarisch:
 

NoBorder Frankfurt
Lokale Unterstützer_innen-Gruppe, die eng mit selbstorganisierten Geflüchteten vernetzt
ist und antirassistisch arbeitet.
http://noborder-frankfurt.antira.info/
Mail: noborderffm [at] riseup [dot] net
 

Teachers on the Road
Unterstützer_innen-Gruppe, die selbstorganisierte Deutschkurse anbieten und Kontakt zu isolierten Geflüchteten sucht.
https://nksnet.wordpress.com/teachers-on-the-road/
 

Project.Shelter
Gruppe von Geflüchteten und Unterstützer_innen, die ein migrantisches selbstverwalteten Zentrum für Geflüchtete fordern.
http://projectshelter.net/
Mail: project [dot] shelter-ffm [at] lists [dot] riseup [dot] net
Donnerstags 17 Uhr: öffentliches Plenum im Studierendenhaus
Alle 2 Wochen: Küche für Alle (KüFa) im Internationalen Zentrum (IZ) im Gallus
 

Refugees for Change
Selbstorganisierte Gruppe von Geflüchteten,Vernetzung mit Geflüchteten in Massenunterkünften.
https://refugeesforchange.wordpress.com/
Mail: rifugiati [dot] milano [at] gmail [dot] com
 

Flüchtlinge in Bockenheim willkommen!
Zivilgesellschaftlicher Zusammenschluss von Freiwilligen, um den Geflüchteten in
Bockenheim solidarisch und unterstützend zur Seite zu stehen (Sprachkurse, behördliche
Begleitung, Kinder-/Jugendbetreuung, etc.).
http://zukunft-bockenheim.de/welcome_refugee.htm
 

Academic Experience Worldwide
Gruppe zur Integration von Geflüchteten in akademische Räume. Bieten akademische
Tandems an. Initiator_innen des Gasthörer_innen-Status für Geflüchtete.
http://www.aeworldwide.de/
Mail: info [at] aeworldwide [dot] de

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