Hilfskräfte der Goethe-Universität sagen Danke!

Datum der Veröffentlichung:Mittwoch 21.6.2017

Am späten Mittwoch Nachmittag besuchte das Autonome Hilfskräfte Referat zusammen  mit einer Delegation von etwa 30 Hilfskräften und Studierenden den Akademischen Senat der Goethe Universität. In einem Redebeitrag wurde die Absurdität der bisheringen "Verbesserung" in Bezug auf die Arbeitsbedinungen von Hilfskräften hingewiesen. Die rein freiwillige Selbstverpflichtung, sowie eine nicht nennenswerte Lohnerhöhung von 50 cent seien bloße Scheinverbesserung, so die Protestierenden.

Nathalie Schäfer, Referent_in im Autonomen Hilfskräfte Referat, richtete sich mit folgende Worten ans Präsidium: "Liebe Präsidentin, wir hatten ja nicht immer ein gutes Verhältnis. Man könnte sagen: Es war kompliziert. Man sagte uns nach, wir wären frech, gar aufmüpfig. Doch, wir haben erkannt: Es war alles ein großes Missverständnis. Schließlich haben Sie so viel erreicht: Mehr Lohn. Ganze 50 Cent mehr. Nach fast zehn Jahren. Endlich. Und nicht nur das: Eine Verpflichtung, die auf das Gute im Menschen baut. Eine Selbstverpflichtung. Toll. Noch nie war Pflicht so unverbindlich. Deswegen wollten wir Ihnen Danke sagen: Danke für Nichts, liebe Präsidentin!"

Mit einer Kundgebung vor dem Präsidiumsgebäude der Goethe Uni haben bereits zur Mittagszeit die Studentischen Hilfskräfte ihre Forderung nach einem Tarifvertrag noch einmal erneuert. Ebenfalls zur Kundgebung aufgerufen haben die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und das Bildungsbündnis "Lernfabriken... meutern!". In den letzten Jahren hatten die Hilfskräfte an der Goethe Uni mit zahlreichen Aktionen und Streiks für viel Wirbel auf dem Campus gesorgt und bundesweit Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Es ist ihnen gelungen, einen Beschluss des akademischen Senats herbeizuführen, der einen Tarifvertrag für Hilfskräfte verlangt. Das Präsidium hat allerdings die daraufhin begonnen Tarifverhandlungen mit GEW und ver.di ergebnislos und einseitig abgebrochen. Stattdessen hat das Präsidium eine "freiwillige Selbstverpflichtung" eingeführt. Diese hält zum Großteil bloß fest, was dank arbeitsrechtlicher Mindesstandards sowieso gilt. Das einzige ernstzunehmende Versprechen ist eine angekündigte Teilhabe von Hilfskräften an den Lohnerhöhungen, die über den Haustarifvertrag ausgehandelt werden. Wenn die Leitung der Universität sich daran hält, dann könnte Frankfurt in Sachen Lohnentwicklung zum bundesweiten Vorreiter werden. Die aktiven Hilfskräfte sehen das allerdings sehr skeptisch.

Dazu Alexander Herold, Referent_in im Autonomen Hilfskräfte Referat des AStA Frankfurt: "Die freiwillige Selbstverpflichtung der Universität ist sehr geduldiges Papier. Wenn das Präsidium sich nicht an den Senatsbeschluss gebunden fühlt, dann gibt es für uns keinen Grund anzunehmen, dass es sich an die freiwillige Selbstverpflichtung hält. Das Präsidium hat die Hilfskräfte mit ihrem Verhandlungsabbruch vor den Kopf gestoßen. Wir verlangen von der Präsidentin, dass sie jetzt auf uns zukommt und das Vertrauensverhältnis neu aufbaut, indem sie ihre Unterschrift unter einen Tarifvertrag setzt!"

Michael Pollok, ebenfalls Referent_in im Autonomen Hilfskräfte Referat, ergänzt: "Mit dem Versprechen, die Lohnentwicklung der Hilfskräfte an die tariflichen Abschlüsse zu koppeln, ist endgültig jedes vernünftige Argument gegen einen Tarifvertrag weggefallen. Wenn das Präsdium die Selbstverpflichtung nimmt und Tarifvertrag drüber schreibt, dann kostet das keinen Cent mehr, gibt uns aber die entscheidende rechtliche Sicherheit. Ohne unsere Arbeit würde der universitäre Betrieb zusammenbrechen. Die Universitätsleitung muss das endlich anerkennen. Und in Zeiten, in denen wir uns schon lange nicht mehr auf das Bafög verlassen können, gilt mehr denn je: Unsere Löhne müssen zum Leben reichen, denn wir sind keine Sachmittel!"

Über die Zusammenarbeit mit der GEW und "Lernfabriken... meutern!" spricht Anne Holzkamp, aktive Hilfskraft an der Goethe Universität: "Wir freuen uns sehr, dass andere Akteure an der Hochschule ebenfalls hinter unserem Kampf und unseren Forderungen stehen. Tatsächlich kann ein Tarifvertrag ja nur der Anfang sein. Die eklatanten und zahlreich dokumentierten Mängel im Hochschulwesen werden sich erst ändern, wenn wir an grundlegenderen Stellschrauben drehen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Universität überhaupt mal wieder damit beginnt, Dauerstellen zu schaffen. Nur dann können wir als Studierende wieder an Seminare mit akzeptablen Besucher_innenzahlen teilnehmen und als Lehrende eine erzwungene Dauermobilität vermeiden."

Auch wenn das Präsidium sich weiterhin verweigert einen Tarifvertrag für Hilfskräfte zu verhandeln ist für diese klar: Der Kampf geht weiter!

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