Pressemitteilung: Friedlicher Protest gegen Eingriffe an intersexuellen Kindern vor dem Uniklinikum

Datum der Veröffentlichung:Freitag 9.11.2012

Gegen die „genitalkorrigierende“ Eingriffe in der Medizin an Kindern mit „atypischen“ Geschlechtsmerkmalen und für die Aufarbeitung dieser Praxis in der Lehre wird am kommenden Sonntag, dem 11.11.2012, um 12.30 Uhr vor dem Universitätsklinikum der Goethe-Universität protestiert. Das autonome Schwulenreferat (Frankfurter SchWule), der Allgemeine Studierenden-ausschuss (AStA) und die Aktivist*innengruppe Zwischengeschlecht.org organisieren die Kundgebung im Rahmen der Intersex-Aktionswoche an der Universität vom 8.11. bis 15.11.2012.

 

Im Universitätsklinikum und an den Lehrkrankenhäusern der Goethe-Universität werden Operationen an Intersexuellen, wahrscheinlich auch an Säuglingen, durchgeführt. Bei vielen dieser Eingriffe ist das Komplikationsrisiko beträchtlich. Betroffene klagen beispielsweise über die Einschränkung oder gar völligen Zerstörung sexueller Empfindsamkeit. „Auf der Kundgebung wird gegen kosmetische Eingriffe protestiert, die dazu dienen, Kleinkinder eindeutig geschlechtlich zuordnen zu können. Zwitter sollen selbst entscheiden dürfen, ob sie ihren Körper operieren lassen und ob sie sich einem Geschlecht zuordnen wollen“, stellt Schwulenreferent Julian Fischer klar.

 

Teil der Intersex-Aktionswoche sind außerdem Informationsveranstaltungen und eine Antrags-behandlung im Universitätssenat am 14.11.2012. Hierzu erläutert Senatorin Alexandra Colligs: „Durch den Antrag sollen derzeit stattfindende Eingriffe ausgesetzt und eine Sensibilisierung für das Thema herbeigeführt werden. Besonders im Lehrbetrieb der Medizin sollte es berücksichtigt werden.“ In der Aktionswoche finden die Vorträge „Intersex-Genitalverstümmelungen: Geschichte und Gegenwart“ am Montag, dem 12.11.2012, im AfE-Turm R 2901 um 18 Uhr und am Donnerstag, dem 15.11.2012 im Studierendenhaus um 18 Uhr „Projektion oder Solidarität? Vereinnahmung von Intersexen durch LGBT*Qs“ statt. Unterstützt wird die Aktionswoche von Zwischengeschlecht.org. durch Daniela Truffer (Gründungsmitlied und Betroffene) und Markus Bauer (Campaigner).

 

Jedes tausendste Neugeborene kommt als Hermaphrodit zur Welt, deren Geschlechtsmerkmale weder als rein „männlich“ oder „weiblich“ eingeordnet werden können. In der Mehrheit der Fälle kommt es zu medizinischen Eingriffen noch im Säuglingsalter. „Auch der Deutsche Ethikrat positionierte sich gegen kosmetische Operationen und erkannte das physische und psychische Leid Betroffener an.“, weiß AStA-Vorsitzender David Malcharczyk zu berichten. „Unsere Universität muss sich dem Thema stellen und sollte derartige Praktiken künftig konsequent verurteilen.“

 

Mehr Informationen finden Sie auf: www.zwischengeschlecht.org und www.frankfurter-schWule.de

 

Senatsantrag Antrag des autonomen Schwulenreferats, des AStA der Universität Frankfurt und der Aktivist*innengruppe Zwischengeschlecht.org http://frankfurterschwule.files.wordpress.com/2012/10/eingereichter-antrag.pdf

 

Quellen und weitreichendere Informationen:

 

Senatsantrag des autonomen Schwulenreferats (Frankfurter SchWule) und des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA), eingebracht durch die Grüne Hochschulgruppe im Senat:

http://frankfurterschwule.files.wordpress.com/2012/10/eingereichter-antrag.pdf

 

Infobrief 01/12 des Ethikrats u.a. zum Thema Intersexualität:

http://www.ethikrat.org/dateien/pdf/infobrief-2012-01-web.pdf

 

Informationen zu Eingriffen am Uniklinikum und den zugehörigen Lehrkrankenhäusern im Rahmen gesetzlich vorgeschriebener Qualitätsberichte: www.weisse-liste.de

(Eingriffsbezeichnungen: Kosmetische Klitorisreduktionsplastiken, Hypospadiekorrekturen, Orchidektomien (Hodenentfernungen), Orchidopexien (Hodenverlagerungen))

 

Qualitätsbericht des Uniklinikums von 2004; Eingriffe: 52 Plastische Rekonstruktion bei männlicher Hypospadie, 58 Behandlungen wegen Nondecensus Testis und 76 Hodenfixationen (Orchidopexie):

http://www.kliniken.de/qualitaetsberichte/download/60590-Frankfurt-am-Mai-Klinikum-der-J-W-Go-260612124-01-2004.pdf

 

AWMF-Leitlinie 006/026 „Hypospadie“: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/006-026.pdf

(Eingriffe werden auch aus „ästhetisch-psychologischen Gründen“ propagiert. Verschiedene Stellen der Universität haben diese Leitlinie mitunterzeichnet.)

Soziale Netzwerke