PM zum verordneten Wegfall des TuCa auf dem IG-Farben-Campus

Datum der Veröffentlichung:Samstag 23.2.2013

Das TuCa (Turmcafé) darf offiziell(!) nicht auf den IG-Farben-Campus umziehen:

Es ist entscheiden, wenn auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit:
In der vermeintlich offenen und öffentlichen Jour-Fixe Sitzung zur Klärung von
Umzugsangelegenheiten, wurde von Präsidium und Dekanaten 03, 04, 05 und 11 entschieden:
Das TuCa, welches seit mehr als 20 Jahren besteht, dürfe sich offiziell nicht mehr an der Gestaltung
studentischer Räume auf den IG-Farben Campus beteiligen.
 
Nach den Sachbeschädigungen vom 02.02.13 im Turm, wurde das TuCa, obwohl es die Vorfälle
mehrfach bedauerte und sich davon distanzierte, zur Verantwortung gezwungen: Das TuCa sei für
„bedrohliche“ Graffitis, Sachbeschädigungen, angebliche Überfälle auf Mitarbeiter_innen und
Diebstahl im AfE-Turm verantwortlich und habe die Konsequenzen zu tragen.
Wir weisen diese Assoziation mit den genannten Vorfällen und dem TuCa konsequent zurück: Wir
waren und sind nie an derartigen Vorfällen beteiligt und sind entsetzt, wie all dies uns zu Lasten
gelegt wird. Das TuCa plädierte somit mehrfach dafür, über Raumnot und Raumvergabe auf dem
neuen Campus zu diskutieren. Das Präsidium und die Dekanate, insbesondere der Dekan des
Fachbereichs 03, Prof. Dr. Sighard Neckel, zogen es jedoch weiterhin vor, über Vorfälle zu
sprechen, mit denen das TuCa in keinster Weise etwas zu tun hat. Es wurde ein narrativer
Nebenschauplatz eröffnet – mit geschichtsrelativierenden Faschismus-Vergleichen – um möglichst
nicht über die Umzugsprobleme, den Wegfall studentischer Strukturen, die Fehlplanung der
Universität, die Missachtung studentischer Bedürfnisse zu sprechen; geschweige denn, über eine
substanzielle Auseinandersetzung mit dem Umzug in die politisch und moralisch signifikante ehem.
IG-Farben-Zentralverwaltung.
 
Es sollte vom TuCa nun ein Konzept zur Nutzung des Raumes auf dem IG-Farben-Campus erstellt
werden. Ein solches Konzept erstellte das TuCa in Kürze. Doch entgegen der Ankündigungen der
Vizepräsidentin, man würde das Konzept gemeinsam besprechen, wurde es mit dem Vorwurf „es sei
zu offen“ abgetan und NIE besprochen. Am 19.02.13 erfuhren wir per E-Mail von der
Vizepräsidentin, dass das TuCa offiziell KEINEN Platz und KEINE Möglichkeit zur Mitgestaltung
eines Cafés auf dem IG-Farben-Campus erhalten soll, sondern in Zukunft nur noch die
Fachschaften über ein Konzept verhandeln dürfen.
 
Wir sind empört und wütend über diesen Verlauf und das deutliche Zeichen gegen studentische,
selbstverwaltete Initiativen! Wir ziehen auf einen Campus, an welchem es kein IVI, kein TuCa,
keine Platz für kritische Wissenschaft, und ein Studierendenhaus, sowie einen neuen Eltern-Kind
Raum erst in vielen Jahren geben soll.
 
Ein Projekt, welches sich in mehr als 20 Jahren autonomer Selbstbestimmung etabliert hat, wird nun
durch die Verordnung des Präsidiums und der Dekanate der Turm-Fachbereiche versucht zu
zerstören und zu beenden.
Wir lassen uns diese Vorgehensweise nicht gefallen!
 
Mündige Studierende, die bemüht sind, geistige Orte und physische Räume für befreites Denken zu
schaffen, werden an dieser Universität wohl nicht gewünscht. Damit hat die Universität Frankfurt
nicht zuletzt einen offensichtlichen Schritt in die, durch und durch nach ökonomischer
Verwertbarkeit ausgerichtete, Wissensproduktion getan: Die studentischen Subjekte sollten sich in
Zukunft wohl besser als Humankapital erschließen und für den (Lohn-)Arbeitsmarkt disziplinieren,
anstatt zu denken: Denn dies schadet einer Karriere an der Goethe-Universität. Das zumindest
haben wir aus den Verhandlungen des Umzugs-Jour-Fixe gelernt. Herzliche Dank dafür!
Letzten Endes ist das TuCa stets mehr gewesen, als „nur“ ein Ort zum Kaffeetrinken:
Das TuCa ist Aktion und diese hat ihre Grenzen nicht im verordneten Raum.
 
In jeden Fall, bleibt das TuCa erhalten!
Für ein TuCa [im Exil] auf dem IG-Farben Campus
 
Anmerkung (1) Die vermeintlich offene Jour-Fixe Sitzung war zum einen nur für geladene Vertreter_innen der Fachschaften, des
Frauenrats und des TuCa offen: Unabhängige studentische Projekte wurden nie mit einbezogen. Es gab nie ein
Protokoll über die Diskussion, lediglich ein Ergebnisprotokoll von Seiten des Präsidiums. Die vermeintlich
öffentliche Jour-Fixe Sitzung war zu keinem Zeitpunkt transparent für die Studierendenschaft: Als das unabhängige
Studierenden TV (UTV) nach mehrmaliger, erfolgloser Anfrage die Sitzung mitschneiden wollte, wurde ihnen dies
verweigert. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzten um zu zeigen, dass das Umzugs-Jour-Fixe zu keinem Zeitpunkt
auch nur im Ansatz transparent war!

 

Soziale Netzwerke