PM: Freud[!] euch!

Datum der Veröffentlichung:Sonntag 17.2.2013

Am Freitag, dem 15.02., verlas das Landgericht das Säumnisurteil gegenüber der imaginierten IVI GbR. Mit dem somit der Franconofurt AG zugestandenen Räumungstitel ist das Institut für vergleichende Irrelevanz akut räumungsgefährdet. Der AStA hat sich stets für das IVI als Raum für kritisches Denken, gemeinsames Wohnen und widerständiges Leben ausgesprochen.

Noch am Abend fand die Demonstration „Raven gegen den Umzug“ statt, bei der die Verlagerung weiterer, großer Fachbereiche auf den IG Farben-Campus im Westend zentrales Thema war. Raumsorgen etwa, durchaus und doch nicht so anderer Art als die des IVI, werden sich auch für diese Studierenden verschärfen. So kam die Solidarität für das IVI nicht zu kurz. Über 600 Studierende, IVI-Aktivist_innen und Interessierte zogen von Bockenheim in das Westend und durch die Innenstadt.

Zeitgleich und mit klarem Bezug zur drohenden IVI-Räumung fanden zwei Besetzungen statt. Auf dem ehemaligen Biocampus in der Siesmeyerstrasse (funfactory.blogsport.de) und in der erst jüngst besetzten Schuhmannstrasse 2 (franzoesischverhaeltnisse.blogsport.de) sendeten sie Signale an die Frankfurter Entscheidungsträger_innen aus: Mehr müsse für die Öffnung des städtischen Raums getan werden, dafür würde entschieden gestritten, anstatt sich gänzlich dem Primat der Ökonomie zu unterstellen. Nach einigen Stunden zogen die Besetzer_innen aus und sahen von Räumungen ab.

Am gestrigen Samstag, dem 16.02.2013, besetzte die Aktion 15.2. die Myliusstrasse 20. Sie beziehen sich ebenfalls explizit auf die Situation des IVI und betonen dabei auch wissenschaftspolitische Aspekte in den sich vorübergehend angeeigneten Räumlichkeiten des Sigmund-Freud-Instituts. Die Leitung und Mitarbeiter_innen des SFI zeigen sich dieser Aktionsform aufgeschlossen, eine Tolerierung der Besetzung bis mindestens zum nächsten Samstag, dem 23.2.2013 wurde ausgehandelt.

„Wir begrüßen die Besetzung der Myliusstrasse 20 und die kritische Solidarität zwischen dem dort einst und künftig untergebrachten SFI und der Gruppe Aktion 15.2.“, bewertet AStA-Kommunikationsreferentin Jessica Lütgens das Geschehen. „Es handelt sich um riesige Kontraste im Vergleich zu den von krassester Verständnislosigkeit geprägten Erfahrungen mit dem Universitätspräsidium.“

Das SFI war 2011 angesichts nötiger Renovierungen und einem angedachten Anbau ausgezogen. Der Einzug hätte schon längst wieder bewerkstelligt werden müssen. Doch es handelte sich lange um ein weiteres Gebäude in Frankfurt, das ohne Verwendung leer stand. Wenngleich seit Kurzem die Planung für eine Neueröffnung 2014 steht, soll die nächsten Tage ein aktueller Nutzen zugeführt werden. „Denn weiterhin scheint dem Land und mit ihm der Stiftungsratsvorsitzende Kühne-Hörmann eine gesellschaftskritisch informierte Psychologie kaum großes Anliegen zu sein“, mutmaßt Jens Laufer, AStA-Referent für Politische Bildung. „Hierfür stehen die nicht ausreichenden öffentlichen Fördermittel. Das Land sollte hier aufzustocken: Die SFI-Ausstattung ist noch zu finanzieren.“

„Wenn nun ein viel zu lange leerstehendes Haus wieder genutzt wird, ist dies absolut wünschenswert. Kommt es dann auch noch zur Auseinandersetzung mit Wissenschaft von gesellschaftskritischem Potential können wir uns glücklich schätzen.“, erklärt AStA-Vorsitzender David Malcharczyk. „Könnte der zunehmend marginalisierten Psychoanalyse gar weitere Aufmerksamkeit zugeführt werden, wäre allen Seiten geholfen.“ Dies wird in den nächsten Tagen auch durch ein umfangreiches Programm unter anderem des Arbeitskreises kritische Psychologie, mit dem der AStA schon 2011 den internationalen Kongreß „Die Unberechenbarkeit des Subjekts“ ausrichtete, gewährleitet.

Weitere Informationen zu der Aktion 15.2. entnehmen sie: http://aktion152.blogsport.de

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