PM: Aufarbeitung sieht anders aus - Studierende fühlen sich getäuscht

Datum der Veröffentlichung:Montag 9.2.2015
Pressemitteilung vom 4. Februar 2015
 
Aufarbeitung sieht anders aus: Studierende fühlen sich getäuscht

AStA kritisiert Umgehung des Norbert-Wollheim-Platzes als zentrale Postadresse der Universität

Die Goethe-Universität lädt auf Einladung der neuen Uni-Präsidentin Brigitta Wolff am heutigen Mittwoch (4.) zur „Feierstunde“ der Umbenennungen des IG-Farben-Campus ein. Aus Sicht der Studierendenvertretung gibt es allerdings wenig Grund zum Feiern. Nach Streit und viel politischem Druck hatte der Senat im letzten Sommer beschlossen, die Adresse der Universität in Norbert- Wollheim-Platz umzubenennen. Zwei weitere Umbenennungen, eine Max-Horkheimer-Straße und einen Adorno-Platz, waren ebenfalls Teil des so genannten Gesamtkonzeptes der Universität. „Ein rascher Blick in die Impressum-Adresse der Website der Uni reicht aus, um zu verstehen, was nun passiert ist. Dort findet man nicht die erhoffte Adresse des Norbert-Wollheim-Platz 1, sondern die des Theodor-W.-Adorno-Platz 1. Die tatsächliche Umbenennung der gesamten Uni-Adresse wurde schlicht durch dezentrale Umbenennungen umgangen, denn die Hauptbauten auf dem Campus haben andere Adressen bekommen. Die Universität täuscht damit diejenigen, die sich seit Jahren für eine Aufarbeitung der Geschichte der Universität und des Campus im Besonderen einsetzen. Für uns alle war klar, dass der Senatsbeschluss bedeutet, dass die zentrale Uni-Adresse an die Geschichte der NS- Zeit erinnern soll.“ erklärt David Wedmann, Referent für Hochschulpolitik im AStA und Teil der Initiative Studierender am IG-Farben-Campus.

Für den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) reiht sich dieses Verhalten in eine grundsätzliche Verweigerung zur Aufarbeitung der Rolle während und nach der NS-Zeit ein.

Laurien Simon Wüst, Referent für Hochschulpolitik, macht deutlich: „Die Goethe-Universität geht es scheinbar nicht um die Umbenennung als Ausdruck von Aufarbeitung und Aufklärung, sondern darum, bekannte Persönlichkeiten als Aushängeschild für die Universität zu nutzen und sich im Wettbewerb der Hochschulen zu positionieren. Für eine Hochschule, die von „Harvard am Main“ träumt, zählt die Konfrontation mit der eigenen Rolle während und nach der NS-Zeit nur, wenn es für Marketing-Pressemitteilungen, feierliche Eröffnungen und allgemeine Selbstbeweihräucherung dienlich ist. Die Worte des damaligen Präsidenten Müller-Esterl, dass sich die Universität <als Nutzer der Liegenschaften des ehemaligen IG-Farben-Konzerns auch der kritischen Aufarbeitung dieser Konzerngeschichte verpflichtet sieht> (Pressmitteilung GU vom 23.7.14) sind vor dem Hintergrund der aktuellen Umgehung der tatsächlichen Umbenennung nicht nur zynisch, sondern zeigen das passive Verständnis der Uni zu ihrer eigenen Geschichte. Wir fordern die neue Präsidentin auf, den Norbert-Wollheim-Platz tatsächlich als zentrale Postadresse der Universität aufzunehmen und die Politik der Aufarbeitungsverweigerung der letzten Jahre hinter sich zu lassen.“

 

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