Lasst ihn studieren! - Aufenthaltsrecht für Frankfurter Studierenden gefordert

Datum der Veröffentlichung:Mittwoch 23.1.2008

Der Iraner Homayon Sadri lebt seit 28 Jahren rechtmäßig in Deutschland. Doch noch immer wurde ihm keine reguläre Aufenthaltsgenehmigung gewährt. Das Unverständnis dafür wächst auch bei seinen Kommilitoninnen und Kommilitonen. Nun greift auch der AStA der Johann Wolfgang Goethe-Universität in das Geschehen ein und will Öffentlichkeit schaffen.

Homayon Sadri hat das Studium der Sozialpädagogik in Frankfurt erfolgreich abgeschlossen, studiert derzeit Politikwissenschaften und bereitet seine Promotion vor. Vielfach fiel er dem AStA als hilfsbereiter und ehrenamtlich überaus aktiver Student auf. Er engagierte sich beispielsweise in der Gewerkschaft, in der kommunalen AusländerInnenvertretung oder eben in der Hochschulpolitik. In den vielen Jahren seines Aufenthalts und Studiums in Frankfurt musste sich Sadri dennoch stets mit kurzfristigen Aufenthaltsgenehmigungen zufrieden geben, bezog aber aus eigener Entscheidung heraus währenddessen nie Sozialleistungen. Der AStA kann das Verhalten der Behörden, welche nur kurzfristige Duldungen ausstellen, ebenso wenig wie der iranische Kommilitone nachvollziehen.

Der Diplom-Sozialpädagoge Homayon Sadri erläutert seine persönliche Situation folgendermaßen: "Ich habe dem Staat nie auf der Tasche gelegen, mich immer engagiert und trotzdem muss ich immer noch fast jeden Monat zur Ausländerbehörde und 20 Euro dafür bezahlen, dass sie meine Duldung verlängern. Jeden Monat habe ich wieder mit derselben Unsicherheit und Angst zu kämpfen." Davon ausgehend, dass Sadri als politischer Oppositioneller gegenüber dem iranischen Präsidenten Ahmadinedschad im Iran inhaftiert würde, sind dem AStA die Vorgänge umso unbegreiflicher. Schließlich dokumentierte amnesty international in den vergangenen Jahren immer wieder Verfolgungsmaßnahmen von Haft- bis hin zu Todesstrafen des iranischen Regimes gegenüber Mitgliedern einer Abspaltung der Volksfedayin, welcher Homayon Sadri angehört.

Ohnehin ist die Einschätzung der Bundesrepublik gegenüber der iranischen Regierung höchst wider-sprüchlich. Die islamische Republik Iran wird mit verschiedenen Maßstäben gemessen. Einerseits gilt sie als sicherer Staat, wenn es um Abschiebungen dorthin geht, andererseits als totalitärer, funda-mentalistischer Staat, wenn es um die Betrachtung internationaler Staatengemeinschaften geht.

"Es kann nicht sein, dass Sadri immer noch keine gesicherte Aufenthaltserlaubnis hat. Er hat sich hier sein Leben aufgebaut und muss endlich Sicherheit bekommen. Das Verhalten von Justiz und Behörden ist menschen- wie völkerrechtlich unverantwortlich.", zeigt sich Sozialreferent Hermann Carabalí entsetzt. Auch wenn es sich im geschilderten um einen Extremfall handelt, so sind dem AStA auch weitere ähnlich geartete Vorkommen wohlbekannt. Somit soll hiermit die Aufmerksamkeit auf diese Problematik gelenkt werden, welche auch Frankfurter Studierende, Akademikerinnen und Akademiker betrifft. Die AStA-Vorsitzende Anja Engelhorn gibt zu bedenken: "Keiner Kommilitonin und keinem Kommilitonen, niemandem ist eine solche Lebenslage zuzumuten. Lasst ihn studieren, lasst ihn leben! Nach unserer Auffassung muss eine langfristige Aufenthaltserlaubnis für Homayon Sadri umgehend ermöglicht werden!"

Soziale Netzwerke