Kommentar zur Entscheidung zum „Wort des Jahres“

Datum der Veröffentlichung:Freitag 15.12.2006

Die altehrwürdige Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat nun also „Fanmeile“ zum Wort des Jahres gekürt. So wurden die Plätze und Orte in Deutschland während der Fußball-WM bezeichnet, wo sich die Fans trafen, um „ihrem ganz besonderen Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen.“

Viel interessanter sind aus studentischer Sicht aber auch vor allem die weiteren Plätze der Jurylistung: auf Platz 2 findet sich „Generation Praktikum“, auf Platz 6 folgt dann das aus studentischer Sicht eher als Unwort gedachte „Bezahlstudium“. Die Listung dieser Wörter zeigt deutlich, wie brisant diese Themen für die Generation der Studierenden sind, bezeichnen beide doch die sehr aktuelle Diskussion, die im Bildungs- und Ausbildungssektor läuft. Sowohl die unsichere Situation nach Studienabschluss, in der viele AbsolventInnen unbezahlte und unsichere Praktika absolvieren, um überhaupt eine Beschäftigung zu finden, als auch die Problematik, die sich durch die Einführung von Studiengebühren ergibt, waren dieses Jahr und werden ganz bestimmt auch noch in den kommenden Jahren erheblichen Einfluss auf die bildungspolitische Debatte haben. Die GfdS bezeichnet „Generation Praktikum“ zu Recht als „ein anderes, für viele weniger positives Lebensgefühl der jüngeren Generation“, welches aus studentischer Sicht immer wieder (bis jetzt leider ohne großen Erfolg) kritisch hervorgehoben wurde. Noch gibt es keine rechtliche Handhabe der Praktika, womit die Lage der Betroffenen verbessert werden könnte.

Mit „Bezahlstudium“ wurde ein Wort auf Platz 6 gewählt, welches für viele Studierende in Deutschland aktuell zu einem großen Problem wird: die Einführung allgemeiner Studiengebühren ab dem ersten Semester. Durch die vergleichsweise hohe Platzierung im Vergleich zu tagesaktuellen Themen wie „Poloniumspuren“ wird auch hier die hohe Relevanz für die bildungspolitische Debatte ersichtlich. Jetzt heißt es hoffen, dass die Politik der hohen Relevanz der Diskussion nachkommt!

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