(Kein) Homophober Kongress an der Uni Marburg?

Datum der Veröffentlichung:Mittwoch 13.5.2009

Protest soll erkauft werd / Unterstützung jetzt auch aus dem rechtsextremen Spektrum Vom 20. bis 24. Mai findet an der Philipps-Universität Marburg der "6. Internationaler Kongress für Psychotherapie und Seelsorge" statt. Veranstaltet wird dieser "wissenschaftliche" Kongress von der "Akademie für Psychotherapie und Seelsorge" einer Kooperation von diversen auch fundamentalistisch christlichen Gruppierungen und Organisationen wie beispielsweise dem Verein Wuestenstrom. Jetzt Versuchen die Veranstalter_inenn sogar den Protest zu kaufen, in dem man 10 Freikarten für Kritiker_innen zur Verfügung stellt, Proteste aber im Gegenzug unterlassen werden sollen.

Auf diesem Kongress, der bisher schon mehrfach in der Presse in der Kritik war, erklären einige Referent_innen in ihren pseudo-wissenschaftlichen Workshops Homosexualität zur Krankheit und als unerwünschtes Lebensmodell. Die Stadt sowie die Uni Marburg stellen dieser reaktionären Veranstaltung ihre öffentlichen Räume zur Verfügung. Bei dem Kongressthema ‚Identität’ wäre ein kritisch wissenschaftlicher Austausch zu erwarten. Was ist Identität, wie konstituiert sich diese und welche gesellschaftlichen und sozialen Faktoren für die Identitätsstiftung maßgeblich sind. Dass dieses Ziel auch erreicht wird erscheint jedoch fraglich bei Veranstaltungen die z.B. die ‚Heilung’ der ‚Krankheit Homosexualität’ zum Thema haben. "Homosexualität ist keine Krankheit" stellt der AStA-Vorsitzende Jonas Erkel fest. Nadia Sergan, ebenfalls AStA-Vorsitzende ergänzt "Menschen die Homosexualität als "Perversion der Sexualität1" bezeichnen eine Plattform bieten ist nicht nur politisch, sondern auch wissenschaftlich nicht vertretbar.". Den Protest jetzt damit unterbinden zu wollen indem man zehn Freikarten verteilt, zeugt davon die elementaren Kritikpunkte an dem Kongress nicht verstanden zu haben." Die AStA-Antidiskriminierungsreferentin, Sarah Tolba, führt aus "Selbstverständlich richtet sich die Kritik an den ganzen Kongress, selbst wenn man seine Kritik an einzelnen Veranstaltungen festmacht. Die Auswahl der Referent_innen offenbart das erzkonservative und zutiefst reaktionäre Weltbild das auf dem Kongress propagiert werden soll. Bei sexistischen und homophoben Äußerungen wie sie Christl Ruth Vonhold oder Markus Hoffmann vom Verein Wuestenstrom von sich geben, handelt es sich lediglich um die Spitze des Eisberges. Unterstützer_innen des Kongresses wie der rechtsextreme Andreas Molau oder der dem Opus Dei nahe stehende2 Norbert Geis tun ihre übriges, den Veranstaltern ist eine Unterstützung aus diesem Spektrum ja nicht einmal ungelegen. Die Postulierung einer vermeintlichen "richtigen" Identität steht in krassem Widerspruch zum Anspruch der Wissenschaftlichkeit." Die unreflektierte Auswahl an Referent_innen und Veranstaltungen zeigt sich nicht nur im problematischen Umgang mit dem Thema Sexualität und der Pathologisierung von Lebensentwürfen. Auch die Differenzierung der identitätsstiftenden Momente Religionszugehörigkeit und geographischer Sozialisation scheint bei der Veranstaltung keine Rolle zu spielen Der AStA der Goethe Universität verurteilt entschieden homophobe Beiträge und fordert die Stadt und die Universität Marburg auf, dieser Veranstaltung keine Räume zur Verfügung zu stellen und sich davon zu distanzieren. Der AStA solidarisiert sich mit dem Bündnis "Kein Raum für Homophobie, Sexismus und religiösen Fundamentalismus", das sich kritisch mit dem Kongress zum Thema Identität der gleichnamigen Akademie auseinandersetzt.

1 www.dradio.de/dlf/sendungen/hintergrundpolitik/280865/
2 www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,588096,00.html

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