Informationen zu Studienplatzklagen

Datum der Veröffentlichung:Dienstag 4.2.2014

 

Studienplatzklagen

 

Mit zunehmenden Studierendenzahlen steigen auch in den beliebten Fächern die NC’s. Für immer mehr Studierende werden die NC’s zur Hürde und verhindern teilweise sogar ein Studium. Studienplatzklagen sind deshalb keine Seltenheit mehr. Immer mehr Studierende ziehen Anwälte zu Rate und klagen sich in ihr gewünschtes Studium ein.

 

Teilweise schöpfen Universitäten ihre vollen Studienplatzkapazitäten gar nicht aus. Hinzu kommt die Unfairness, dass Abiturienten aus sozial schwachen Familien sich eine Klage oft nicht leisten können und ihnen somit ihr Wunschstudium verwehrt bleibt. Die Abi-Note entscheidet und wieder einmal werden Schwächen unseres Hochschulsystems und der Landesregierungen offenbart. Gerade in Fächern wie Medizin, die einen bundesweiten NC haben, wird viel zu wenig Wert auf die Motivation der Bewerber*innen gelegt.

 

Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie

 

Nirgends ist der Andrang so groß wie beim zentralen Vergabesystem von „Hochschulstart“. 20 % der Studienplätze werden direkt nach Abiturbestnote vergeben (zwischen 1,0 und 1,2), weitere 20% gehen an die Personen auf der Warteliste.

 

Man sollte allerdings nicht auf Wartezeit setzen, da diese 12 bis 13 Semester andauern können. Besser wäre es ein Klageverfahren anzustreben und sich lieber in einen verwandten Studiengang einschreiben und damit als Quereinsteiger versuchen, bei dem es möglich wäre anrechenbare Leistungen zu erlangen.

 

Die übrigen 60% werden im sogenannten AdH (Auswahlverfahren der Hochschulen) vergeben. Doch selbst das AdH wird von „Hochschulstart“ abgewickelt und nicht von den Hochschulen selbst. Bleiben Studienplätze nach diesem Verfahren frei, gibt es ein Losverfahren.

 

Für das Losverfahren müssen sich Interessierte bei den jeweiligen Hochschulen bewerben. Es bietet sich sogar an, sich sowohl für den interessierten, sowie für deren verwandte Studiengänge zu bewerben. Das Losverfahren kann auch dann anerkannt werden, wenn sich der Bewerber noch nicht bei Hochschulstart oder an einer Hochschule beworben hat. Ein Studieninteressierter für Humanmedizin kann sich im Losverfahren auch für Zahnmedizin, für Biologie oder andere verwandte Studiengänge bsp. Humanbiologie oder Medizinische Biologie bewerben und als Quereinsteiger in höheren Semester zu seinen Wunschfach wechseln und damit sich bereits abgelegte Leistungen anerkennen lassen.

 

Um bessere Chancen beim AdH zu haben, kann entweder der TMS- Test absolviert werden (Studierfähigkeitstest) oder eine Berufsausbildung abgeschlossen werden. Beides erhöht die Chance auf eine Zulassung.

 

Wenn man dem AdH eine abgeschlossene Berufsausbildung vorlegen kann, erhöht sich die Chance doch noch zugelassen zu werden. Bsp. kann der Studieninteressierte seine Noten um 0.3 Punkte dahingehend verbessern, wenn er Tiermedizin studieren will und der Universität eine abgeschlossene Berufsausbildung als Landwirt, Pferdewirt oder Tierarzthelfer vorweisen kann. Im Fach Zahnmedizin sieht es genauso aus: Die Note kann sich um 0.3 Punkte verbessern, wenn man eine Ausbildung als Zahnarzthelfer oder Zahnmedizinische Fachangestellte gemacht hat. Eine Kombination verschiedener Kriterien, wie bsp. die Testnote, ein soziales Jahr sowie eine abgeschlossen Ausbildung kann zu einer Notenverbesserung von ganze 1.0 Punkte führen. Aus diesem Grund lohnt es sich eine Ausbildung nach dem Abitur nicht direkt auszuschließen.

 

Es gibt verschiedene Klagemöglichkeiten. Eine davon ist eine Klage gegen „Hochschulstart“ bei denen meistens die Ablehnungsbescheide angefochten werden. Es können hierbei Anzeichen für Datenfehler gesammelt werden und somit die Anfechtung rechtens gemacht werden, oder die Anwält*innen klagen die Vergabeverordnungen als verfassungswidrig an. Des Weiteren kann gegen die Auswahl im AdH-Verfahren geklagt werden. Meistens wird dabei die Richtigkeit der Auswahl angezweifelt. Diese Art der Klage ist jedoch individuell und hängt von der Situation der Klägerin/des Klägers ab.

 

Am häufigsten wird jedoch zur sogenannten „Kapazitätsklage“ gegriffen. Der Hochschule wird dabei vorgeworfen, dass sie ihre vollen Kapazitäten nicht ausschöpft. Dies muss von den Anwält*innen nachgewiesen werden. Auch kommt es meistens zur Gerichtsverhandlung.

 

Die Erfolgschancen der Kapazitätsklage hängen von der Anzahl der Kläger*innen ab, denn wenn noch freie Studienplätze aufgedeckt werden, werden diese unter den Kläger*innen verteilt. Dennoch lässt sich eine Tendenz des Erfolges verzeichnen. Auf jeden Fall sollten Abiturient*innen sich in allen drei Verfahren bei „Hochschulstart“ bewerben und nicht direkt, ohne eine Bewerbung, eine der Klagen einreichen.

Anja Gerbes, Anna Schramowski

 

Themen

Soziale Netzwerke