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Demonstration: Wohnraum für alle!

Datum der Veröffentlichung:Dienstag 22.5.2012

Am 31. Mai 2012 ruft das Aktionsbündnis für bezahlbaren Wohnraum und der Asta der Goethe-Universität gemeinschaftlich zu einer Demonstration auf.
Schwerpunkt dieser Demonstration von der Bockenheimer Warte bis zum Römer sollen die Forderung nach bezahlbarem Wohnraum, der Erhaltund des ivi und der Wohnheime an der Bockenheimer Warte sein.
Startpunkt ist die Bockenheimer Warte am 31. Mai 2012 um 17 Uhr. Die Abschlusskundgebung findet am Römer statt.

DAS AKTIONSBÜNDNIS FÜR BEZAHLBAREN WOHNRAUM & DER ALLGEMEINE STUDIERENDENAUSSCHUSS DER UNIVERSITÄT FRANKFURT AM MAIN RUFEN AUF:

"WOHNRAUM FÜR ALLE!" 31. MAI UM 17:00 UHR BOCKENHEIMER WARTE

Bezahlbaren Wohnraum schaffen und Institut für vergleichende Irrelevanz erhalten! Am 31. Mai werden verschiedene Stadtteil- und Mieter_innen-Initiativen, sowie wir Studierende eine Demonstration, um 17 Uhr ausgehend von der Bockenheimer Warte, veranstalten: Für günstigen Wohnraum und Frankfurter Freiräume!

Wie katastrophal der Wohnungsmarkt in Frankfurt ist, wird jede_r wissen, der_die schon einmal eine Wohnung, ob Ein-Zimmer-Wohnung, WG oder Wohnheimplatz, gesucht hat. Mit einer Wohnungsquote von 95% ( d.h nur 95% der Haushalte sind mit einer Wohnung abgedeckt) ist sie die Stadt mit der geringsten Wohnfläche pro Person im Vergleich zu anderen westdeutschen Großstädten. Demgegenüber gibt es einen Büroleerstand von fast zwei Mio. Quadratmetern der kaum als Wohnraum in Erwägung gezogen wird, obwohl das Potential dazu bestünde. Weiterhin lassen sich fortschreitende Gentrifizierungsprozesse in allen innenstadtnahen Teilen Frankfurts beobachten. Für die Stadt Frankfurt, die sich durch ihre Bedutung als Finanzplatz als "Global City" versteht, spielen soziale Belange der Bevölkerung eine untergeordnete Rolle. Vielmehr geht es ihr um Stadtpolitik im Rahmen einer internationalen Standortkonkurrenz. Dass in diesem Prozess die Interessen prekarisierter Bewohner_innen zum Opfer fallen, lässt sich aktuell beispielhaft im Ostend beobachten. Durch den Bau der neuen EZB steigen die Mieten im Ostend gerade massiv - so wie in fast ganz Frankfurt.

Zu Beginn des Wintersemesters 2011/12 zeigte sich diese prekäre Situation für viele, vor allem zugezogene Studierende ganz deutlich. Bis weit nach dem Vorlesungsbeginn hatten viele von ihnen noch immer keine Wohnung gefunden - und das, obwohl sie Besseres zu tun gehabt hätten, als sich mit der Wohnungssuche zu beschäftigen. Aus diesem Grund und um Studierende bei der Wohnungssuche zu unterstützen, sie nicht im wahrsten Sinne des Wortes auf der Straße sitzen zu lassen, und somit das Thema Wohnraum auf die politische Agenda zu setzen, organisierte der AStA der Uni Frankfurt Schlafmöglichkeiten in einem "Indoor Camp" im Studierendenhaus. Zeitgleich wurde nach einer studentischen Vollversammlung am 20. Oktober eine dem Land Hessen gehörende Villa im benachbarten Westend spontan besetzt, um auf die desolate Wohnraumsituation aufmerksam zu machen und um sich den in Frankfurt durchaus vorhandenen, aber nicht bezahlbaren Wohnraum selbst anzueignen. Noch am selben Abend räumte die Polizei gewaltsam das Haus. Seitdem steht das Haus wieder leer.

Die Besetzung und die Verschärfung der Wohnungsnot erzeugten eine Dynamik, aus der sich eine Initiative aus Studierenden, Schüler_innen, prekär Beschäftigten und Künstler_innen entwickelte, aus der heraus es zu weiteren Aktionen wie Besetzungen, Demonstrationen oder Störungen des Bürobetriebs der landeseigenen Immobilienfirma kam. Ihr Engangement ist Ausdruck des allgegenwärtigen Unmuts. Mit dem Umzug des Campus Bockenheim auf den IG Farben-Campus und der Umwandlung des bestehenden Campus Bockenheim in den sogenannten "Kulturcampus" soll auch hier Kultur im Sinne einer wie auch immer gearteten "Hochkultur" institutionalisiert werden. Räume, in denen eine freiere und individuellere Gestaltung von Kultur möglich ist, werden dadurch weiter verdrängt. Die jetzt schon katastrophalen Lern- und Arbeitssituationen an der Universität werden sich weiter zuspitzen. Angesichts der katastrophalen Wohnraumsituation für Studierende ist es eine Frechheit, dass Wohnheime abgerissen werden, wie voraussichtlich an der Bockenheimer Warte. Die Landesregierung und Uni-Leitung missverstehen immer wieder (gezielt) die Wohnraumproblematik als Privatangelegenheit. Dafür stehen begrüßte private, hochpreisige Studierendenresidenzen oder der lasche Appell an die Frankfurter Bürger_innen, Privaträume zur Verfügung zu stellen.

Selbstverwaltete Räume wie der Eltern-Kind-Raum oder das TuCa im AfE-Turm, das Institut für vergleichende Irrelevanz (IVI) oder auch das Studierendenhaus mit dem Café Koz sind am neuen Campus oft nicht, in geringerem oder in sehr geringem Maße vorgesehen. Mit der Verdrängung selbstverwalteter Räume geht ein zunehmender Abbau kritischer Wissenschaften einher, die in der durchökonomisierten Uni mit Exzellenz-Clustern, House of Finance und Stiftungsprofessuren kaum mehr Platz finden. Somit werden gesellschaftskritische Aspekte sukzessiv aus dem Weg geräumt.

Akut räumungsbedroht ist das IVI im besetzten Kettenhofweg 130, in dem seit über acht Jahren unter dem Motto "Theorie, Praxis, Party" alternative Wohn-, Party- und Lebensformen, kritische Wissenschaft (u.a. die "Gegenuni" und verschiedenste Kongresse) organisiert und durchgeführt wurden und werden. Ohne den AStA oder die Nutzer_innen des IVI überhaupt zu informieren, verkaufte die Universität dieses Frühjahr das Gebäude an die Franconofurt AG. Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, am 31. Mai auf die Straße zu gehen!

Für den IVI-Erhalt! Wohnraum für Alle!

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