Dekan des FB16 wirft Studierendenvertreter aus Sitzung

Datum der Veröffentlichung:Montag 3.2.2014

Nachdem die Medizinstudierenden der Frankfurter Goethe-Uni lange Zeit für ein faires Praktisches Jahr mit angemessener Aufwandsentschädigung und einem Studientag als Selbstlernzeit kämpfen mussten, gab es gestern auf einem Treffen der Akademischen Lehrkrankenhäuser, zu dem der Dekan Prof. Pfeilschifter auch Studierendenvertreter eingeladen hatte, endlich eine Entscheidung: Das Dekanat schreibt den Kliniken eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro vor und streicht dafür den Studientag[1].

Dass er in diese Entscheidung die Studierendenvertretung nicht mit einbeziehen wollte, machte der Dekan Prof. Pfeilschifter deutlich, in dem er drei Fachschaftsmitglieder vor Beginn aus der Sitzung warf, weil sie keine Mitglieder des Fachbereichrates sind.

Die Fachschaft Medizin ist enttäuscht, dass sie in die Entscheidung nicht mit einbezogen wurde. Auch die ca. 50 demonstrierenden Studierenden vor dem Eingang des Dekanats hatten sich mehr erhofft. Immerhin hatten sie ihr Recht an dem Treffen teilzunehmen auf zwei studentischen Vollversammlungen und einer Demonstration durch die Frankfurter Innenstadt hart erkämpft.

 „Herr Prof. Pfeilschifter warf uns vor nicht ziel- und konsensorientiert zu diskutieren und verbat uns somit die Teilnahme an dem Treffen“, so Stefanie Minkley, langjähriges Mitglied im Studienausschuss. Es sei aber kein geheimes Treffen gewesen, das Ergebnis stand offensichtlich ohnehin bereits vorher fest. „Über die Höhe der Aufwandsentschädigung wurde nicht wirklich diskutiert, nur der Vorschlag von Prof. Pfeilschifter die Fehltage der Studierenden mit 15 Euro pro Tag von der Aufwandsentschädigung abzuziehen, wurde glücklicherweise nicht angenommen, weil es den Lehrkliniken zu viel bürokratischer Aufwand bedeutet hätte“, berichtet Maja Krause, die als studentisches Mitglied des Fachbereichsrates an der Sitzung teilnehmen durfte.

„Der Studientag ist fest in unserer Studienordnung verankert und essenziell als Selbstlernzeit, da das Praktische Jahr noch Teil des Studium ist“, betont Lars Dutschke, Mitglied im Fachschaftsrat. Das sei dem Dekan Prof. Pfeilschifter egal. Er möchte, dass die Studierenden ihre „Leerzeiten“ im Krankenhaus mit Selbstlernzeit füllen. Dass das im hektischen Klinikalltag kaum möglich ist, wollte er von den Fachschaftsvertretern nicht hören. Zwei Stunden Blutabnehmen pro Tag im Praktischen Jahr habe noch niemandem geschadet, so sein überraschendes Verständnis des letzten Jahres in der Ausbildung künftiger Ärztinnen und Ärzte.

Der Studientag ist für die Studierenden aber enorm wichtig, um Gelerntes theoretisch zu vertiefen und sich auf Operationen und Krankheitsbilder vorzubereiten. Die Medizinstudenten in Marburg haben einen Studientag pro Woche und schon seit einem Jahr gibt es dort eine Aufwandsentschädigung – bessere PJ-Bedingungen sind also möglich.

Das Elearningkonzept "Exacase" zur Fallbasierten Wiederholung des Klinikwissens, das von einer studentischen Projektgruppe in Zusammenarbeit mit studiumdigitale[2] entwickelt wurde, soll nun anstatt während des Studientages während der Klinikarbeit oder eben danach zuhause abgeleistet werden. Als Kompromissvorschlag zum Erhalt des Studientages in dieser neuen Form hat der Dekan es abgelehnt.

Die Medizinstudierenden, die seit August 2013 ihr Praktisches Jahr ableisten, betrifft die Regelung noch nicht, auch wenn sie ab April gemeinsam mit PJ-Studierenden in den Kliniken arbeiten, die dann die Aufwandsentschädigung bekommen. „Sie generieren immer Ungerechtigkeiten“, so die Aussage des Dekans zu der Ungleichbehandlung der Studierenden.

„Die Veranstaltung hat gezeigt, dass der Dekan sich nicht für, sondern gegen die Interessen der Studierenden einsetzt“, resümiert Stefanie Minkley das Ergebnis der Sitzung. Die neue Approbationsordnung räumt es den Krankenhäusern ein selbst über die PJ-Aufwandsentschädigung bis zu 597 Euro zu entscheiden – eine Festlegung durch das Dekanat ist nicht vorgesehen, zumal die Entscheidung (noch) nicht durch den Fachbereichsrat ging. Und dass die Uni Frankfurt sechs Jahre, nachdem die meisten Unikliniken die Aufwandentschädigung eingeführt haben, mit 300 Euro immer noch unter dem Bundesdurchschnitt liegen, zeugt nicht gerade von Wertschätzung den Studierenden gegenüber.

 

 

Für weitere Informationen: www.gemeinsamelistemedizin.de

[1] Bisher konnten Medizinstudierende im Praktischen Jahr an einem Tag pro Woche das in der Klinik Erlebte vor- und nachbereiten. Diese Selbstlernzeit wird es in Zukunft nicht mehr geben.

[2] Zentrale Elearning-Einrichtung der Goethe-Uni Frankfurt

 

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