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Brief an die Studierenden der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an der Universität Frankfurt am Main

Datum der Veröffentlichung:Samstag 7.7.2012

Stellungnahme zum Bibliotheks-Flashmob nach der studentischen Vollversammlung
Nach der vom AStA organisierten studentischen Vollversammlung am 4. Juli entschlossen sich vorherige Teilnehmer_innen zu einer Aktion in der Bibliothek der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (im folgenden RuW). Hierbei drängten sich die Protestierenden an dem neu aufgestellten Wachpersonal vorbei und verlasen eine Rede. Dies bezog sich auf eine Änderung in der Nutzungsordnung der Bibliothek, die es zurzeit allen Menschen ohne Studierendenausweis verbietet, sich bis zum späten Nachmittag in der Bibliothek aufzuhalten sowie auf die Durchsetzung dieser Maßnahme durch das eben erwähnte Sicherheitspersonal.

Die neue Ordnung war durch die Fachschaftsgruppe der Giraffen gegen den Willen anderer Fachschaftslisten ermöglicht worden. Dabei wurde nicht die Diskussion gesucht, sondern eben solche Prozesse übergangen. Jetzt sollen Schüler_innen und Studierende anderer Hochschulen pauschal von den Räumlichkeiten der RuW-Bibliothek ferngehalten werden, obwohl sie Möglichkeiten zum Lernen ebenso brauchen wie hiesige Studierende.

Es ist bedauerlich, wenn durch die (allerdings: kurze) Intervention einige Studierende im RuW-Gebäude in ihrem Lernfluss gestört wurden. Gleichwohl wäre erfreulich, wenn Sensibilität für vorliegende Probleme geschaffen werden konnte. Zu den Zulassungskontrollen in der Bibliothek des RuW-Gebäudes nimmt der AStA der Universität Frankfurt am Main folgendermaßen Stellung:

  1. Restriktionen beim Zugang zu Bibliotheken in regulären Öffnungszeiten halten wir unter keinen Umständen für eine adäquate Lösung. Hochschulen erfüllen eine gesellschaftliche Funktion, das in ihnen produzierte und gespeicherte Wissen muss allen zugänglich sein.
  2. Das Fehlen von guten Lernplätzen an dieser Universität und auch anderen Bildungsstätten ist ein Ausdruck fehlenden Bewusstseins für die Bedeutung von Bildung(spolitik). Die Ausschlüsse aus der RuW-Bibliothek sind Folgen dieses Problems und der daher rührenden Unterfinanzierung von Schulen und Hochschulen. Der Mangel an Lernplätzen ist sicher nicht durch die Verdrängung von einigen Nicht-Studierenden zu beheben. Als angemessene Schlussfolgerung sollte somit gelten, mehr solche Lokalitäten einzufordern und zu schaffen.
  3. Eine reale Verbesserung von Studienbedingungen für alle wird nur dann wahrscheinlich, wenn es einen solidarischen Zusammenhalt von Studierenden untereinander gibt und eine Öffentlichkeit hergestellt wird, die Lehre und Studium mehr Aufmerksamkeit schenkt.
  4. Die Universität betreibt derzeit eine sukzessive Abschottung der angeblichen Bürgeruniversität. Damit einhergehend gibt sich das Präsidium hysterisch einem Sicherheitswahn hin, der völlig über das Ziel hinausschießt und für die Universitätsmitglieder kontinuierlich eine Beschneidung in ihren Möglichkeiten darzustellen droht. Exemplarisch ist hierfür die von oben verordnete und logistisch mangelhaft durchdachte Schließung der gesamten Universität einschließlich der Bibliotheken Mitte Mai wegen Kilometer entfernten Sozialprotesten. Die durch zusätzliches Sicherheitspersonal durchgeführte Kontrollierung der Personalien bzw. der Studierendenausweise am Eingang der RuW-Bibliothek passt nur zu gut in dieses Bild und ist mit Sicherheit nicht das Ende vom Lied...

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