Autoritär, Elitär, Reaktionär.

Datum der Veröffentlichung:Dienstag 30.1.2018

Liebe Studierende, Interessierte, Leser*innen,

fast jede*r in einer Universitätsstadt hat sie schon einmal gesehen, auch wenn sie nicht überall in Deutschland gleichermaßen das Stadtbild prägen: Korporationsstudenten und Burschenschafter, häufig mit bunten Bändern und albernen Hüten geschmückt. Das auf Brauchtum und Tradition bauende Verbindungswesen erscheint häufig erstmal einfach schrullig. Jedoch: Ein genauerer Blick darauf lohnt sich und zeigt, dass es sich
hierbei um eine kritikwürdige Sache handelt.

In diesem neu aufgelegten Reader des AStAs der Uni Frankfurt am Main sind Beiträge versammelt, die sich der Kritik von studentischen Verbindungen widmen. Der Großteil der Artikel erschien bereits vor fünf Jahren in der Erstauflage des Readers »Autoritär, Elitär, Reaktionär «, dessen grundlegende Kritik am Verbindungswesen an Aktualität nichts eingebüßt hat. Gleichzeitig aber stehen die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht still, und leider auch nicht die der Rechten. Daher haben wir uns entschlossen, dem in einer erweiterten Neuauflage mit zusätzlichen Beiträgen Rechnung zu tragen. Diese beschäftigen sich insbesondere mit dem Zusammenhang von Studentenverbindungen und der neuesten Ausformung der extremen Rechten, der sogenannten »neuen Rechten«. Indem das Treiben dieser neuesten Rechten in den vergangenen Jahren mindestens in der Öffentlichkeit eine neue Qualität angenommen hat, treten auch die Verbindungen zwischen ihren Akteuren, Strukturen und Inhalten auf der einen und Burschenschaften auf der anderen Seite offener zu Tage. So bringt etwa auch Jörg Sobolewski, Sprecher der Deutschen Burschenschaft 2016, klar zum Ausdruck, was er angesichts dessen empfindet, dass die Deutsche Burschenschaft mit dem aktuellen gesellschaftlichen und politischen Rechtsruck in Verbindung gebracht wird: Stolz. Stolz, »als Teil dieser konservativen Renaissance, die jetzt gerade anscheinend sich überall abspielt, (…), als Teil des Ganzen wahrgenommen werden; dass die Saat, die wir gepflanzt haben, dass diese Saat auch aufgeht«1. Diese Zusammenhänge zeigen, dass das Verbindungswesen einer aktuellen sowie systematischen Kritik bedarf.

Begonnen wird der Reader einleitend mit einem allgemeinen Überblick über Burschenschaften und Studentenverbindungen, der die basalen Strukturen und Hintergründe aufzeigt. Weiter geht es mit Texten zur Geschichte und dem eigenwilligen Geschichtsbild von studentischen Verbindungen. Daran anschließend findet ihr Beiträge zu gegenwärtigen Entwicklungen, so denn auch der Verknüpfung von Burschenschaften und neuester extremer Rechter. Auch eine tiefergehende systematische Kritik wesentlicher Elemente des Verbindungswesens darf natürlich weiterhin nicht fehlen. So folgen schließlich Texte zu struktureller Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Elitarismus. Da auch Frankfurt nicht frei von Verbindungsstrukturen ist, haben wir euch zum Abschluss eine Übersicht über die mehr als zwanzig studentischen Verbindungen in der Stadt zusammengestellt.

Wir freuen uns, euch diese Neuauflage präsentieren zu können und bedanken uns bei allen Beteiligten! Insbesondere natürlich bei denjenigen, die durch eigens verfasste Texte oder Bilder dazu beigetragen haben.

Habt Freude beim Lesen!

* Das Gender-Sternchen * soll alle sozialen Geschlechter abbilden, auch solche, die sich nicht in das binäre Geschlechtersystem einfügen. Zusätzlich zeigt das * an, dass es sich bei Geschlecht um eine gesellschaftliche Konstruktion handelt. In den Beiträgen dieses Readers werdet ihr wiederum verschiedenen Varianten des Genderns begegnen, da es den Autor*innen selbst überlassen bleibt, auf welche Weise in ihren Texten geschlechtliche Vielfalt sprachlich sichtbar gemacht wird.

1 https://www.youtube.com/watch?v=LbqODXiW7_o, vgl. ab Minute 06:07, zuletzt abgerufen am 12.08.2017

Soziale Netzwerke