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AStA zieht nach Aktionswoche "Mieten? Ja wat denn?" ein Resümee

Datum der Veröffentlichung:Montag 15.10.2012

Zum zweiten Mal öffnete der AStA der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität das Studierendenhaus im Rahmen der Aktionswoche "Mieten? Ja wat denn?" für Studierende und Wohnungssuchende.

Das Studierendenhaus als Basislager bot den mehr als 30 wohnungssuchenden Studierenden für diese Zeit nicht nur einen Schlafplatz, sondern gleichzeitig die Möglichkeit sich auf die Suche nach einer Bleibe zu machen. 

Inhaltlich ausgestaltet wurde diese Woche durch ein Progamm verschiedener  Initiativen: Der Verein 'Offenes Haus der Kulturen'  zum  Erhalt des  Studierendenhauses, die 'Initiative Zukunft Bockenheim', das 'Institut  für vergleichende Irrelevanz' und die 'Campusantifa Frankfurt' gestalteten die Woche mit Filmen, Workshops und Diskussionsrunden. 

Das Grundproblem, dessen ist sich der AStA druchaus bewusst, konnte durch diese Aktion nicht behoben werden - von einer dauerhaften Lösung des Problems der Wohnungslosigkeit Studierender und Geringverdienender ist man in Frankfurt noch weit entfernt.

"Schon in der Planung waren wir uns nicht sicher, ob wir uns über viele Studierende als Übernachtungsgäste freuen sollen,", so Anja Engelhorn, Referentin für Sozialpolitik "denn letztlich zeigt das nur, wie schwierig die Situation auf dem Wohnungsmarkt immernoch ist und wie wenig dahingehend in den letzten Jahren getan wurde - im Gegenteil." Mit dieser Aktion wollte der AStA das Problem zurück in die Öffentlichkeit tragen, denn die Problematik wird zunehmend von der öffentlichen politischen Ebene – dem eigentlichen Verhandlungsort – auf die individuelle Ebene verfrachtet. "Es wird zum persönlichen Problem, ob ich mir eine Wohnung, ein Leben in Frankfurt noch leisten kann." stellt Engelhorn fest.

Auch zum Ende der Aktionswoche fanden viele der Besucher_innen keine dauerhafte Bleibe. "Selbst die Studierendenwohnheime bieten Studiumsanfänger_innen keine Perspektive: Zum Wintersemester werden voraussichtlich nur 340 Plätze frei und schon jetzt stehen 1.200 Namen auf der Warteliste, weshalb das Studentenwerk schon seit September keine neuen Anträge mehr berücksichtigt. Kein Wunder, wenn für nur drei Prozent der Studierenden in Frankfurt ein Zimmer in einem Wohnheim bereitgestellt wird."

Den Abschluss der Aktionwoche stellte die Demonstration "Wir nehmen uns was wir brauchen" mit 600 Demonstrierenden am Samstag dar. Hier rief der AStA dazu auf, sozialen Wohnraum zu schaffen, autonome Zentren und Freiräume wie das Kultur- und Wohnprojekt ivi zu verteidigen und bewohnbaren Leerstand nutzbar zu machen. "Es ist uns unverständlich, dass in einer Großstadt wie Frankfurt das Grundbefürfnis von Geringverdienenden, Menschen in prekärer sozialer Lage und Studierenden nach sozialverträglichem Wohnraum ungehört bleibt. Zeitgleich aber werden prestigelastige Projekte, wie beispielsweise die Erweiterung des Europaviertels im Gallusviertel, weiter vorangetrieben. So werden Menschen durch steigende Mieten an den Rand der Stadt verdrängt und die Forderung nach günstigem Wohnraum vernachlässigt." so Max Rudel, Referent für Studienbedingungen.

Auch Anja Engelhorn stimmt dem zu: "Die Stadtpolitik orientiert sich an den Interessen wirtschaftlich starker Gruppen und nicht an den Interessen derer, die in dieser Stadt leben wollen und müssen. Sie trägt so dazu bei autonome und kulturelle Projekte zu verunmöglichen, beispielhaft zu sehen an dem räumungsbedrohten ivi, und vernachlässigt zusätzlich das Bedürfnis nach sozialem Wohnraum, zu sehen an dem geplanten Abriss der Studierendenwohnheime in Bockenheim."

Kritisch merkt Max Rudel aber auch an: "Wir haben gerne den wenigen Wohnungssuchenden, die ihren Weg zu uns gefunden haben, unter die Arme gegriffen, müssen aber erwartungsgemäß zugleich feststellen, dass der AStA nicht die Möglichkeit besitzt, diese Situation befriedigend zu lösen. Unsere Woche war nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein, der wohl leider auch immer wieder notwendig sein wird."

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