AStA-Zeitung: Universität & Revolution

Datum der Veröffentlichung:Mittwoch 16.5.2018

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen. Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparolen, Kostüme, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen."

(Karl Marx/Friedrich Engels – Werk, Band 8, "Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte", S. 115-123, Dietz Verlag, Berlin)

1867 - erscheint Karl Marx´ "Das Kapital" - eine wissenschaftliche Revolution, ganz ohne institutionell-universitäre Einbindung. Dieses Werk wurde für viele Revolutionäre und Revolutionärinnen das analytische Handwerkszeug schlechthin, um zu bestimmen, welche Umstände die gegenwärtigen sind, wie diese entstanden und demnach zu überwinden sind. Sozusagen die theoretische Grundlage eigene Geschichte zu machen, mit dem Symbolcharakter sich schon bei dessen Entstehung von der vorgefundenen Universität getrennt zu haben.

1917 - schien es dann tatsächlich so, als sei die Theorie der eigenen Geschichte der Menschen während der russischen Revolution in die Tat umgesetzt worden. Die vorgefundenen Umstände wurden genutzt, mit den Geistern der Vergangenheit sollte radikal gebrochen werden. Ein Ereignis, das weltweit mit der Hoffnung verbunden war, endlich das Versprechen der Emanzipation der Menschheit eingelöst zu sehen.

1967/68 – gingen vor allem von Studierenden aus Berkley, Berlin, Paris und Frankfurt vielfältige Proteste aus, die nun auf eine andere Vergangenheit zurückblicken. Die Sowjetunion konnte das Versprechen von 1917 nicht einlösen, die Welt befindet sich im kalten Krieg. Zeitgleich rumort es gerade an den Universitäten gegen Rassismus, eine verklärte Sexualmoral und Geschlechterrollen, Krieg sowie koloniale Ausbeutung und die fehlende Konsequenz in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. An allen Ecken wird versucht auf die Gesellschaft einzuwirken: und zwar dezidiert politisch in einer radikalen Form. Der Kampf um Selbstbestimmung soll vom universitären Betrieb aus auch gesellschaftliche Institutionen unterwandern und verändern; ein anderes und besseres Leben soll nicht mehr auf die Zukunft vertragt werden. Revolutionsversuche, gerade in den ehemaligen Kolonialländern häufen sich weltweit – Studierende bekunden Solidarität und informieren über die politischen Kämpfe in den USA, Vietnam, China und Südamerika. Wie ist das Verhältnis von Universität und revolutionären Bewegungen oder gar der Revolution selbst heute, 50 Jahre später, zu bestimmen?

Wie ist das Verhältnis von Universität und revolutionären Bewegungen oder gar der Revolution
selbst heute, 50 Jahre später, zu bestimmen? Warum erscheint uns diese „bewegte Zeit“ heute so fern? Was lief falsch? Wie können wir als Studierende auf die gesellschaftlichen und universitären Verhältnisse einwirken? Wie ist es möglich den Alp-Traum der Vergangenheit und Gegenwart zugunsten einer emanzipatorischen Zukunft zu bewältigen?

Diese Ausgabe widmet sich dem Verhältnis von Universität und Revolution und versucht dabei vergangene Versuche in den Kontext heutiger Problemstellungen zu bringen. Am Ende der Ausgabe findet ihr den Call for Papers für die nächste Zeitung, zu der ihr als Studierende gerne Texte beisteuern könnt. Dabei soll es um das Verhältnis von Depression, Universität und Alltag gehen.

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