AStA warnt vor verhängnisvollem Danaergeschenk der Stiftungsprofessur

Datum der Veröffentlichung:Donnerstag 24.4.2008

Für viel Aufsehen sorgt die von der 3i Group PLC gestiftete Professur für Private Equity. Der AStA fühlt sich hinsichtlich der Einrichtung dieser Professur in seinem Bedenken am Stiftungswesen an der Goethe-Universität bestätigt. Erneut hat sich ein fragwürdiger Investor breit gemacht. Doch bedarf es einer grundlegenderen Kritik.

Das Unternehmen 3i gibt sehr deutlich zu, es gehe schlicht um die Implementierung ihrer Anliegen in den Wirtschaftswissenschaften. Die Aktiengesellschaft war zuletzt wegen ihren kurzfristigen Risikospekulationen in die Kritik geraten. Für ihre wirtschaftlichen Praktiken soll jetzt Anerkennung geschaffen werden. "Ein Interesse an der Mehrung wissenschaft-licher Erkenntnisse besteht offenbar nicht. Vielmehr handelt es sich um eine Image-kampagne des in Verruf geratenen Investors. Dieser will nun am liebsten seinen hörigen Nachwuchs an der Universität heranzüchten", kritisiert AStA-Vorsitzende Anja Engelhorn.

Die Anzahl der Stiftungsprofessuren an der Universität Frankfurt ist in den letzten Jahren stark angestiegen. Mittlerweile stellen diese einen relevanten Anteil der ProfessorInnen- schaft dar. Doch das hohe Lied des Mäzenatentums ist deplaziert. Die Finanzierung dieser Professuren wird gewöhnlich nach wenigen Jahren eingestellt. Auf den Kosten bleiben das Land und die Hochschulen sitzen. Häufig laufen renommierte Professuren aus, um die neu geschaffenen aufrechterhalten zu können. Hiervor warnt David Malcharczyk, hochschul-politischer AStA-Referent: "Die Wirtschaft verteilt Danaergeschenke; sie nutzt die Chance sich für relativ kleines Geld in die Wissenschaft einzukaufen, die gewünschte Wissenschaft produzieren zu lassen und sich hinterher als Nutznießer aus der Affäre zu ziehen."

Die fachliche Schwerpunktbildung, welche mit den Stiftungsprofessuren einhergeht, findet nahe liegender Weise nicht im gesellschaftlichen und universitären Einvernehmen statt. Im Gegenteil werden hier zumeist besonders gut verwertbare Spezialgebiete protegiert, die von privatem Interesse ausgehen und daher zumeist unberücksichtigt blieben.

"Bei der Berufung der Professur wird 3i dafür zu sorgen wissen, dass der Lehrstuhl nach eigenen Wünschen besetzt wird. Doch das Präsidium spinnt den Mythos weiter, der Einfluss der Wirtschaft auf die universitäre Lehre und Forschung nehme nicht zu. Die Lücke, in welche 3i stößt, entstand überhaupt erst durch eine verfehlte öffentliche Bildungsfinanzierung", bemängelt Malcharczyk. "Statt einem Lehrstuhl für Dogmenbildung bedarf es kritischer Wissenschaft, auch im Bereich von Wirtschaft und Pharmazie, wo die Stiftungsprofessuren bezeichnenderweise am häufigsten vorzufinden sind."

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