AStA verurteilt Stiftungsuniversität der Bildungsselektion

Datum der Veröffentlichung:Donnerstag 24.1.2008

Wie wenig studentische Belange im Interesse der Stiftungsuniversität sind, zeigte sich bei der gestrigen Senatssitzung auf erschreckende Weise. Die hessische Regelung, nach welcher die Fachhochschulreife eine Zugangsberechtigung zur Universität darstellt, wurde im Rahmen der neuen Autonomieregelungen kurzerhand gestrichen. Der AStA der Johann Wolfgang Goethe-Universität verurteilt dieses Vorgehen als weitere unsoziale Selektion.

Dem Antrag auf Satzungsänderung der Hochschulzugangsregelung nach § 63 des Hessischen Hochschulgesetzes wurde trotz heftigster Gegenrede durch die AStA-Vorsitzende Anja Engelhorn mit nur einer Nein-Stimme einer studentischen Vertreterin stattgegeben. Ab dem Wintersemester 2008/2009 können, anders als in den anderen hessischen Hochschulen, keine Absolventinnen und Absolventen der Fachhochschulreife mehr ein Studium an der Goethe-Universität aufnehmen.

Ein Sechstel der Studierenden an der Goethe-Universität haben die Fachhochschulreife. Für Präsident Steinberg und die Mehrheit des Senats ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die qualitativ hochwertige Ausbildung an der Universität Schaden nimmt. In die Zahlenspiele des Präsidiums stieg bald auch ein Vertreter des Faches Informatik ein; er gab bekannt, dass 60 Prozent der Informatikstudierenden bereits nach dem ersten Semester ihr Studium abbrechen. Auch wenn Mensch prinzipiell anzweifeln kann in wie weit dies etwas über eine Hochschulqualifikation aussagt, so ist weiterhin unklar wie hoch die Abbruchquote der Studierenden mit Fachhochschulreife ist. Es ist grob fahrlässig derartige Entscheidungen zu treffen auf Grund bloßer Vermutungen.

"Obwohl die Anwesenden zugeben mussten, dass die Abwertung der Studierenden mit Fachhochschulreife sich lediglich auf Vermutungen stützt und keinerlei Erhebungen angestellt wurden, die diese rechtfertigen, reichte es dem Senat und dem Präsidium aus, um diese abzuurteilen und zukünftig vom Studium an der Goethe-Uni auszuschließen", stellt AStA-Vorsitzende Anja Engelhorn entsetzt klar. Zusätzlich zu den Bestrebungen durch Bachelor- und Masterstudiengänge ein akademisches Zweiklassensystem zu etablieren, wird die Fachhochschulreife ungerechtfertigt herabgesetzt und so weitere Bildungshürden wieder eingeführt.

Der AStA steht für einen durchlässigen Bildungszugang und Chancengleichheit. "Wir lehnen eine derart konstruierte Selektion uneingeschränkt ab", so Jessica Castro Merino, stellvertretende AStA-Vorsitzende. "Bei sinkenden Studierendenzahlen und zunehmenden Ausschlussverfahren vom Hochschulstudium dürfen junge Menschen nicht vorver- und abgeurteilt werden."

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