Arbeit macht tot - eine Veranstaltungsreihe

Datum der Veröffentlichung:Montag 19.11.2012

Ab Mitte Januar präsentiert der AStA mit Unterstützung mit der Initiative Studierender am IG-Farben-Campus die Vortragsreihe "Arbeit macht tot"."Arbeit macht tot": unter diesem Titel veröffentlichte Tibor Wohl seinen Bericht über Zwangsarbeit im KZ Auschwitz III-Monowitz. Er verweist damit auf die nationalsozialistische Parole „Arbeit macht frei“ und enttarnt ihren praktischen, menschenverachtenden Kern. Systematisch wurde die "Vernichtung durch Arbeit" im KZ Monowitz betrieben, dem ersten das auf privatwirtschaftlicher Initiative – der IG Farben AG – entstand. In den 1950er Jahren wurde der Kampf um Entschädigung der Zwangsarbeiter in Nachkriegsdeutschland von Norbert Wollheim mit einer Musterklage gegen die IG Farben AG eingeleitet.

Die Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit Zwangsarbeit im Dritten Reich, der Geschichte und Gegenwart des Konzentrationslagers Auschwitz III-Monowitz und dem Kampf um Entschädigung. Montag 21.01. um 18 Uhr: "Auf Spurensuche in Monowice – ein vergessenes Konzentrationslager in Auschwitz?" von Judith Hoehne (Stellvertretende Leiterin der Bildungs- und Programmabteilung der Internationalen Jugendbegegnungsstätte in Oświęcim/Auschwitz) Auf den Ruinen des Ortes Monowice wurde im Herbst 1942 ein weiteres Konzentrationslager im Bereich Auschwitz eröffnet. Dies war das erste von einem privaten Industrieunternehmen geplante und finanzierte Konzentrationslager, das ausschließlich für die Zwangsarbeit von Häftlingen – auf der Baustelle für die Buna-Werke der IG Farben - vorgesehen war. Heute ist der historische Ort kein Bestandteil der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau - vor Ort sind nur noch wenige Überreste zu besichtigen. Die Auseinandersetzung mit diesem Teil der Geschichte von Auschwitz ist vor allem auch eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis der deutschen Industrie zur Vernichtungspolitik des nationalsozialistischen Regimes.  Mittwoch 23.01. um 18 Uhr "Klagen gegen Deutschland? Entschädigungspolitik im Recht" von Maximilian Pichl (arbeitskreis kritischer jurist_innen) Die Bundesrepublik Deutschland wurde gerade in den letzten zehn Jahren vor verschiedenen Gerichten wegen der Verbrechen im Kolonialismus (Genozid an den Herero) und im NS (Zwangsarbeit, Massaker) angeklagt. Zuletzt entschied der Internationale Gerichtshof im Februar 2012, dass die Staatenimmunität Deutschland vor Klagen im Ausland schützt. Der Vortrag beinhaltet die wesentlichen Gerichtsverfahren, die strategische Nutzung des Rechts und deren Auswirkungen auf Vergangenheitspolitiken. Montag 28.01. um 18 Uhr "Ökonomische Aspekte der Zwangsarbeit 1933 - 1945" von Christian Hartz (freier Mitarbeiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme) Zwangsarbeit in der NS-Zeit war ein über Jahrzehnte vernachlässigtes Thema. Mit der Entschädigung der Zwangsarbeiter/innen der Industrie kamen die historischen Dimensionen teilweise zum Vorschein. Bis zum Jahr 2007 wurden laut der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ an ca. 1,66 Millionen Personen eine Summe von 4,4 Mrd. € ausgezahlt. Nichtsdestotrotz sind viele Bereiche der Zwangsarbeit, besonders deren ökonomische Aspekte, auf die im Rahmen des Vortrags eingegangen wird, weitgehend unbekannt. Mittwoch 30.01. ab 18 Uhr "Die Auschwitz-Überlebenden im Kampf um Entschädigung und Strafverfolgung der Täter" von Katharina Stengel (freie Mitarbeiterin des Fritz Bauer Instituts) Als die Auschwitz-Überlebenden in den 1950er Jahren begannen, um Entschädigungszahlungen für die in Auschwitz geleistete Zwangsarbeit zu streiten, standen sie nicht nur der westdeutschen Politik und Industrie gegenüber. Auch zwischen verschiedenen Gruppen ehemaliger Häftlinge entstanden Konflikte, die ihren Ursprung in unterschiedlichen Verfolgungserfahrungen, verschiedenen Perspektiven auf die Lagergeschichte und aktuellen politischen Orientierungen hatten. Mehr Einigkeit herrschte bei den Versuchen der Auschwitz-Überlebenden, die Strafverfolgung der Täter in der Bundesrepublik zu forcieren. Diese Bemühungen stießen zwar ebenso auf große Widerstände, konnten aber letztlich sehr viel mehr öffentliche Resonanz erzielen als die Entschädigungsforderungen. Alle Vorträge finden um 18 Uhr im Café KoZ (Studierendenhaus Campus Bockenheim) statt.

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