Bild zum Artikel: [title]

AStA entsetzt über Zustände am Fachbereich Erziehungswissenschaften

Datum der Veröffentlichung:Mittwoch 10.10.2012

Der Allgemeine Studierendenausschuss der Universität Frankfurt äußert sich sehr besorgt über die Studienbedingungen am Fachbereich Erziehungswissenschaften. Auch in Ethnologie, Germanistik, Politikwissenschaften und Soziologie regt sich Unmut: Durch das  verschärfte Vergabeverfahren für Vorlesungen und Seminare im elektronischen Vorlesungsverzeichnis ist Chaos ausgebrochen. Dieses sollte eine „transparente“ und „faire Verteilung“ von Seminaren gewährleisten. Jedoch wird Bildung dadurch zu einem reinen Verwaltungsakt. 

 

Die Anleitung welche Studierende des Fachbereichs online erklärt bekommen ist entwaffnend: die Studierenden sollen drei Prioritäten vergeben um anzugeben, wie sehr der Studierende einen Platz in einem Seminar für ein fachspezifisches Modul möchte. Man hat pro "anmeldepflichtiger Veranstaltung" jeweils einen  Prioritätenblock – dieser bevorzugt höhere Semester in erster Instanz, die Prioritäten in zweiter. Damit sichert sich der Fachbereich ab, dass rechnerisch alle Studierenden einmal einen Platz bekommen haben sollten. Die Studierenden sind aufgefordert, einen Seminarplatz, der ihnen ungeachtet ihrer Interessen zugeteilt wird, anzunehmen, unabhängig davon, ob sie ihn 1 ("sehr"), 2 ("mittel") oder 3 ("weniger") wollen.

 

"Es ist absurd im Vorfeld sein Interesse anhand einer kurzzeiligen Seminarbeschreibung in Form eines Prioritätenblocks zu beurteilen. Querwechsel zu Seminaren, in denen man nicht angemeldet und akzeptiert ist, sind untersagt." moniert Jessica Lütgens, Kommunikationsreferentin des AStA. "Wir haben Berichte von Studierenden aus dem ersten Semester, die nur 2 Zusagen erhalten haben - das Studium besteht jedoch aus mehr als 24 anmeldepflichtigen Seminaren und mindestens 5 Vorlesungen in 16 Modulen - wie ein Regelstudium unter diesen Umständen möglich sein soll ist uns ein Rätsel."

 

Bekommt ein Studierender nach Auswertung des LSF einen Seminarplatz, ist dieser aufgefordert, ihn anzunehmen oder sich abmelden. Die daraus entstehenden freien Plätze werden per Windhundverfahren kurz vor Semesterbeginn erneut vergeben. Viele Studierende scheitern hier bereits.

Wenn die Studierenden nach diesem komplizierten und zeitintensiven Durchgängen einen Seminarplatz zugewiesen bekommen haben, diesen aber nicht bis zum Ende des Semesters wahrnehmen, nicht hingehen oder sich entscheiden, keinen Leistungsschein zu erwerben, werden sie gesperrt und müssen sich nach persönlicher Vorsprache bei der Verwaltung wieder freischalten lassen. Das ist neu - die Sperrung stellt eine klare Verschärfung des Verfahrens dar. "Das ist eine enorme Hürde und schränkt die Möglichkeit sein Studium interessengeleitet zu führen vollkommen ein! Wir fürchten, dass diese Sperrung einer Reglementierung dient und zukünftig genutzt werden könnte, einen erneuten Anlauf nach Nicht-Wahrnehmung eines Seminarplatzes oder Leistung zu verhindern." so Juliane Schiller aus der Fachschaft Erziehungswissenschaft.

 

Der AStA hat über schon vor dem Semesterbeginn viele Beschwerden von Studierenden bekommen, die diese Verteilungspraxis kritisieren und sich um ihren weiteren Studienverlauf sorgen.

Diese undurchsichtigen Verwaltungsakte zeigen nur das durch eine immer schlechtere Hochschulfinanzierung die Probleme weiter direkt auf Studierende abgewälzt werden, welche auf diese Art gegen einander ausgespielt werden. 

 

"Damit wollen wir uns nicht abfinden!", sagt Daniel Katzenmaier, Vorsitzender des AStA. "Ein selbstbestimmtes Studium muss möglich sein. Bis zu 240 Studierende bewerben sich auf einen Seminarplatz und die Universität sieht offensichtlich keinen Handlungsbedarf, die Kapazitäten zu erweitern. Das ist ein Skandal!"

 

"Viele Erstsemester sind aufgrund der immer schlechter werdenen Bedingungen in Frankfurt ernorm überfordert. Aber auch die höheren Semester bekommen die , schlechten Studienbedingungen und den wachsenden absurden Verwaltungsapparat zu spüren. Zusätzlich werden Wahlfreiheit und kritische Wissenschaften weiter durch die Hintertür abgebaut. Um etwas an dieser aktuellen Entwicklung etwas zu ändern müssten von Studierenden selber bis hin zu den Dozenten jedoch mehr Engagement gezeigt werden."sagt Max Rudel, Referent für Studienbedingungen abschließend .

 

Daher ruft der AStA seine Studierenden und die Dozent_innen auf, die elektronischen Seminarvergabesysteme zu boykottieren und solidarisch dafür zu kämpfen, dass ein interessensgeleitetes Studium möglich ist. 

Die Studierenden sind angehalten, die Seminare zu besuchen, für die sie sich entscheiden. Wir empfehlen den Studierenden, sich zu organisieren und ihren Protest und Unzufriedenheit offen zu kommunizieren.

Soziale Netzwerke